Die Grenzziehung bei Bad Sachsa/Tettenborn im Juli 1945

Sachsa und Tettenborn lagen seit altersher in der thüringischen Grafschaft Honstein. Im Jahre 1593 starb der letzte Graf, Ernst VII. Er hinterließ keinen Sohn. Darauf entstanden erhebliche Wirren, wem die Grafschaft rechtmäßig zustünde. Erst mit dem Westfälischen Frieden 1648 wurden diese Auseinandersetzungen beendet. Die Herrschaften Klettenberg und Lohra der Grafschaft gerieten damals unter dem Namen Grafschaft Hohenstein an das Kurfürstentum Brandenburg, das spätere Königreich Preußen.

Nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon ordnete Preußen 1816 sein Staatsgebiet neu. Unter anderem entstand die Provinz Sachsen. In dem Regierungsbezirk Erfurt dieser Provinz lagen Sachsa und Tettenborn fortan im Hohensteiner Kreis, der wenig später Kreis Nordhausen und seit 1888 Kreis Grafschaft Hohenstein hieß.

Mitte 1944 wurde die Provinz Sachsen aufgeteilt in die Provinzen Magdeburg und Halle/Merseburg (das waren bis dahin die beiden anderen Regierungsbezirke der Provinz Sachsen gewesen), während für den Regierungbezirk Erfurt der Reichsstatthalter in Thüringen mit der Wahrnehmung der Aufgaben und Befugnisse des Oberpräsidenten beauftragt wurde. Erfurt blieb nach wie vor preußisch und gehörte nicht zu dem seit 1920 bestehenden Land Thüringen.

Am 11. und 12. April 1945 besetzten amerikanische Truppen Bad Sachsa und Umgebung. Sie blieben bis Anfang Juli in der Gegend (und hatten darüber hinaus Thüringen und die Provinz Sachsen besetzt). Ihr Abzug am 3. Juli 1945 führte in Bad Sachsa und Umgebung zu starker Unruhe unter der Bevölkerung. Der amerikanische Ortskommandant teilte nämlich dem Bürgermeister, Willi Müller, mit, dass Thüringen und die Provinz Sachsen zur sowjetischen Besatzungszone gehörten (darauf hatten sich Großbritannien, die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Amerika am 12. September 1944 geeinigt).

Bis zum 8. Juli geschah zunächst nichts weiter, außer dass britische und sowjetische Offiziere offenbar zu Erkundungszwecken  Bad Sachsa aufsuchten. Dann bezogen britische Soldaten Stellung an der Bahnlinie beiderseits des Bahnhofs Bad Sachsa. Sie zogen sich am 10. Juli 1945 zurück. Ihnen folgten sowjetische Truppen, die bis zur Bahnlinie vorrückten. Damit wurde das zum Land Braunschweig und damit zur britischen Besatzungszone gehörende Dorf Neuhof sowjetisch besetzt, desgleichen Tettenborn. Bad Sachsa hingegen blieb weiterhin frei von Besatzungstruppen.

Am 23. Juli 1945 zogen sich dann die sowjetischen Truppen aus Tettenborn und Neuhof zurück. Britische Truppen besetzten Bad Sachsa und Tettenborn sowie Neuhof. Sie blieben bis 1948.
 

Nach Georg Matzander, bearbeitet von Gerhard Möller 2007