Die Odertalbrücke

Durch die Verlegung der B 243 wurde westlich Bad Lauterberg ein neues Brückenbauwerk erforderlich - die Odertalbrücke, vor und während der Bauphase auch „Lau1“ genannt. Im Spätsommer 2009 wurde der Bau begonnen und im November 2012 fertig gestellt.

Die neue Brücke führt die verlegte B 243 zwischen dem Bad Lauterberger Ortsteil Barbis und Bad Lauterberg selbst von Nord nach Süd über die Südrampe der B 27, die Oderfelder Straße, das FFH-Gebiet nördlich der Oder, die Oder und den Schluchtwald zur Koldung. Die Odertalbrücke hat eine Gesamtstützweite von 496 m und überwindet eine Höhe zwischen den Widerlagern von rund 26 m. Die Fahrbahn erreicht eine maximale Höhe über Gelände von etwa 25 m, wobei die Nutzbreiten der Brücke 7,50 m für die Fahrtrichtung Herzberg (Nord) und 8,00 m für die Fahrtrichtung Nordhausen (Süd) betragen.

Eine besondere Herausforderung beim Brückenbau war der als FFH-Gebiet geschützte Auenwald in der Oderniederung sowie der benachbarte Schluchtwald am Steilhang, in die keine Brückenpfeiler gesetzt werden durften. Sogar eine temporäre Nutzung der geschützten Bereiche war während der Bauzeit nicht zulässig. Die Odertalbrücke überspannt deshalb mit dem letzten Brückenfeld vor dem bergseitigen Widerlager den Auenwald mit der Oder und den Schluchtwald mit einer Stützweite von 103 m.

Diese letzte Stützweite ist wesentlich größer als die Stützweiten im Bereich der restlichen Brücke, die aus insgesamt neun Feldern besteht. Die Lage der größten Stützweite als Endfeld war aus statischen und gestalterischen Gründen besonders ungünstig. Zur optimalen Lösung wurde ein umfangreicher Variantenvergleich im Rahmen einer Brückenvorplanung durchgeführt. Die Bewertungspunkte Wirtschaftlichkeit, Gestaltung und technische Qualität waren bei der Auswahl der besten Variante wesentliche Kriterien. Die vorliegende Lösung stellte sich als mit Abstand beste Variante heraus und wurde dementsprechend bei der weiteren Entwurfsbearbeitung weiter verfolgt.

Ausgehend vom letzten Pfeilerstandpunkt vor dem 103 m weiten Endfeld, wird das über die gesamte Brückenlänge durchgehende Überbautragwerk, bestehend aus zwei geschlossenen Stahlhohlkästen mit einer Betonfahrbahn, durch zwei stählernde Halbbogentragwerke in den letzten beiden Feldern unterstützt. Die Halbbögen betonen die zur Bergseite zunehmenden Höhen und Stützweiten des Brückenbauwerks. Sie sind dabei zur Überwindung der geschützten Bereiche statisch notwendig. Die Gestaltung des Bauwerks ergibt sich in dieser Hinsicht somit aus den statischen Notwendigkeiten.

Die stählernde Halbbogenkonstruktion mit dem großen Endfeld von 103 m ist in dieser Konstellation in Deutschland einzigartig.

Die Montage des 103 m langen Endfelds erfolgte ohne Montageunterstützungen. Dabei mussten die Halbbögen im Freivorbau mit Hilfsabspannungen montiert werden. Der Lückenschluss der Überbaustahlkästen erfolgte mit einem mobilen Kran vom bergseitigen Widerlager aus. Eine in Deutschland konstruktiv einmalige Lösung war der Anschluss der Stahlbogenständer an den Überbaustahlhohlkasten. Hier wurde auf die üblichen Elastomerlager verzichtet und dafür wartungsfreie Stahllamellen vorgesehen. Damit konnte auf zusätzliche Vorkehrungen zum Auswechseln schadhafter Elastomerlager verzichtet werden.

Die gewählte Konstruktion konnte ohne größere Lehr- oder Hilfsgerüste mit einem wirtschaftlichen Montageverfahren hergestellt werden. Es waren lediglich einzelne punktuelle Montageunterstützungen und ein Hilfspylon vorgesehen, der nach Abschluss der Arbeiten wieder entfernt wurde.

Besondere Gestaltungselemente stellen oberhalb der Pfeiler (auf den Überbaukappen) vor den Geländern stehende, 2 m hohe Dreiecke dar. Diese Dreiecke markieren für den Autofahrer die Pfeilerachsen. Auf den Anliegerseiten sind in den Dreiecken LED-Leuchten angeordnet, die den Brückenzug auch nachts sichtbar machen und zeigen, wie die Straße in einer lang gezogenen Kurve in den Hang läuft. Diese LED-Leuchten werden über Photovoltaikelemente mit Energie versorgt. Als Speichermedium werden Gel-Batterien eingesetzt; hier zeigt sich die Verbundenheit des Bauwerks mit der Stadt Bad Lauterberg, in der der größte Arbeitgeber eine Firma zur Herstellung von Gel-Batterien ist. Die LED-Leuchten werden hierbei lediglich zur Sichtbarmachung des Brückenzuges eingesetzt, nicht zur Beleuchtung.

Text und Zeichnung nach Nds. Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr

GPS-Koordinaten
N 51.6220° E 10.4323°

[ das Planfeststellungsverfahren ]

Alle Fotos aus der Bauphase: Dipl.-Geol. Firouz Vladi