Gewinnung und Verarbeitung von Schwerspat (Baryt)

Der Schwerspatbergbau im Südwestharz begann um 1822 in Bad Grund, wo auf der Blei-Zink-Grube "Bergwerkswohlfahrt" mächtiger beibrechender Schwerspat gefördert und nach Osterode (Bleiweißfabrik) geliefert wurde. Auf den Lagerstätten um Bad Grund (Iberg und Rösteberg), im Sieber- und Kulmketal, in den Luttertälern und bei Bad Lauterberg ging auf bis zu 15 Gruben Abbau mit wechselndem Erfolg um. Bis 2007 wurde die Grube Wolkenhügel im Tal der Krummen Lutter mit moderner Bergbautechnik bebaut.

Schema des modernen Abbauverfahrens in der
ehem. Schwerspatgrube Wolkenhügel/Bad Lauterberg


Die Grube Wolkenhügel bildete die einheimische Rohstoffbasis der Deutschen Baryt-Industrie und lag nördlich der Stadt Bad Lauterberg im Krummen Luttertal. Auf dem bis zu 15 m mächtigen Wolkenhügeler Gangzug, der auf 1.100 m Länge und 400 m Teufe Baryt führte, wurden pro Mann und Schicht 17 t weißen Baryts gewonnen. Das gewonnene Haufwerk enthielt 50-60 % Schwerspat. Der unter Tage gewonnene Schwerspat musste für eine industrielle Nutzung in mehreren Verfahrensstufen von den unerwünschten Begleitmineralien sowie dem anhaftenden Nebengestein getrennt werden. Zur Abtrennung des Schwerspates wurde das Haufwerk in mehreren Brechstufen auf weniger als 25 mm zerkleinert. Die Verarbeitung des heute importierten Schwerspats findet auf dem weitläufigen Betriebsgelände Bahnhofstraße 21-39 in Bad Lauterberg statt. Aus der jährlichen Förderung von 80 - 90.000 t wurden durch Aufbereitung und Veredelung knapp 40.000 t Schwerspatmehle abgesetzt: Säure- und witterungsbeständige Füllstoffe für die Papier-, Farb-, Lack-, Gummi- und Kunststoffindustrie sowie Schallschutzfüller im Fahrzeugbau und Kontrastmittel in der Röntgendiagnostik.


Das Gestein

Reinweißes, massives und derbes, sehr schweres Gestein, gelegentlich durch Eisenoxid zartrosa gefärbt; auf nahezu senkrecht einfallenden Gängen bis 20 m Mächtigkeit vorkommend; örtlich, besonders am Außenrand der Gänge mit Quarz durchsetzt. Unanfällig gegen Verwitterungseinflüsse, daher immer ohne Korrosionsspuren im Gegensatz zu Gips oder Kalk und härter als diese. Baryt ist ein Bariumsulfat bei dem jedes seiner Moleküle jeweils ein Barium- und ein Schwefelatom sowie vier Sauerstoffatome enthält (BaSO4).
Der Name Baryt wurde aus dem griechischen Wort "barys" (schwer) abgeleitet. Bei einem etwa 4½ mal so hohen Gewicht wie ein entsprechendes Volumen Wasser (bei Raumtemperatur) ist es jedoch ein relativ weiches Mineral (Mohshärte von 3 bis 3½). Es zeichnet sich besonders durch seine hohe Beständigkeit gegen Säuren und Laugen aus.

Im Zusammenhang mit der Heraushebung des Harzes (saxonische Gebirgsbildung) am Ende der Kreide und / oder zu Beginn der Tertiärzeit drangen auf schon zuvor angelegten WNW-ESE verlaufenden Spalten warme (60 - 150 C) salzreiche Lösungen auf, die Barium und Schwefel-Verbindungen sowie Fluor und verschiedene Metalle (Fe, Cu) mitführten und evtl. zusätzlich im umgebenden Gestein lösten. Im Kontakt mit dem tieferen Kluftgrundwasser schlug sich in der Spalte massenhaft Bariumsulfat (Baryt) nieder. Im Dreieck zwischen Braunlage, Sieber und Bad Lauterberg wurden z. T. über Kilometer aushaltende Barytgänge kartiert, unter denen einige auch Roteisenstein und Flussspat sowie Kupfererze führen.

GPS-Koordinaten
N 51.6249° E 10.4603°

[ Fotos aus der Grube Wolkenhügel ]