Der Höhlenforscher Dr. Ing. Friedrich Stolberg schrieb 1968 in seinem Buch
„Befestigungsanlagen im und am Harz von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit“


48. Berga, Burgwall (ehem. Reichshof). Berga, Kr. Sangerhausen, Bez. Halle (Merseburg).

Name: Hällisches Schloß, Lindenberg, Ratzelburg.

Meßtischblatt: 2600/4532 Kelbra; W 0,4; N 17,4.

Allgemeine Lage: Südlicher Vorharz, Mündung des Tyratales in die Goldene Aue (Helmegau).

Örtliche Lage: 175 m NN auf mäßig hohem Geländespom, der den Eckpfeiler zwischen Tyraniederung und Goldener Aue (Helme) bildet mit Steilabfall nordöstlich zum rechten Tyraufer und flacherer Abdachung südlich zur Aue, unmittelbar über dem Nordende des Dorfes Berga.

Baugrund: Diluvialer Harzschotter über Unterem Buntsandstein.

Baumaterial: Friedhofsmauer Rotsandstein.

Beschreibung: Zwei Burgteile zu unterscheiden: Südöstlich mit altem Friedhof und der Dorfkirche als Kern die „Ratzelburg“ mit mittelalterlicher Friedhofsmauer (Schießscharten), westlich davor Graben, an der Südwestecke des alten Friedhofes Reste eines abgetragenen Hügels, des „Lindenberges“. Nordwestlich das „Hällische Schloß“, Rechteckanlage, jetzt eingenommen vom neuen Friedhof. Westrand des Friedhofes auf geradlinigem Wall, der sich südlich fortsetzt und undeutlich verläuft, westlich flacher Vorgraben (Grimm). Zwei Erdaufwürfe deutet Meyer als ehem. Türme. Nach Grimm ist die Ratzelburg als Hauptburg, das Hällische Schloß als Vorburg zu deuten.

Geschichte: Vielleicht vorfrühgeschichtlicher Ursprung (Lindenberg). Höfer deutet „Ratzelburg“ als Burg des Grafen Hadrad, dessen Besitz 786 von Karl d. Großen eingezogen wurde. Die Rechteckanlage des „Hällischen Schlosses“ möglicherweise karolingisch. 985 „curtis Berge“ (Reichshof) durch Schenkung an Stift Quedlinburg. Im hohen Mittelalter Sitz zweier Archidiakonate. Kirche St. Peter und Paul an alter Stelle durch neugotischen Bau ersetzt.

Funde: Im „Lindenberg“ Urnenscherben und geröstetes Getreide. Undatiert, Verbleib unbekannt.

Lit. u. Abb.: MG DO III Nr.7; B.u.KDm. Prov. Sachsen V S.13; Grimm, 1958 Nr. 549 Abb.12g Gr.,15K.;Grimm ,1961 S.33, Abb. 7Gr.; Grimm,1930 S. 125 u.K.; Götze-Höfer-Zschiesche, 1909 S.134 u. K.; Höfer, ZHV 40 1907 S.160; Meyer/Rackwitz, Der Helmegau, 1888 S. 85 f. u. Gr. auf Kartenbeilage; Schmidt, Frühgesch. u. mittelalterliche Dorfbefestigungen im Kr. Sangerhausen, Mitt. Ver. Gesch. Naturk. Sangerhausen 8 1912 S. 59 u. Mitt. Ver. Gesch. Naturk. Sangerhausen 8 1912 S.124; Silberborth, 1940 S. 58, 59f., 81, 88,123.