Der Höhlenforscher Dr. Ing. Friedrich Stolberg schrieb 1968 in seinem Buch
„Befestigungsanlagen im und am Harz von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit“


150. Grillenburg, Burgruine. Grillenberg (Obersdorf) , Kr. Sangerhausen, Bez. Halle (Merseburg).

Name: Grillenburg, Grillenberg.

Meßtischblatt: 2528/4433 Wippra; S 16,2; O 4,9.

Allgemeine Lage: Südrand des Ostharzes gegen die Sangerhäuser Mulde (Friesenfeld).

Örtliche Lage: 300-310 m NN auf nach Westen aus der Hochfläche vortretendem Bergrücken unmittelbar östlich über Dorf Grillenberg (Tal 250 m NN).

Baugrund: Rote Letten und Konglomerat der Mansfelder Schichten, Karbon.

Baumaterial: Sandstein als glatter Werkstein und Buckelquadern (Ringmauer, Mauertürme, Zisterne) und Backstein (Palas).

Beschreibung: Die Gesamtanlage folgt dem westöstlich streichenden Bergrücken und ist in 3 hintereinandergeschaltete Abschnitte aufgegliedert: Östlich die Hauptburg in Form eines fünfeckigen Kastells mit Wohnturm (Palas) und umlaufendem, mit Halbrundtürmen versehenen Zwinger. Abschluß gegen die Angriffseite im Osten durch breiten, tiefen Halsgraben, südlich breiter, terrassenförmiger Vorhof (Zwinger) mit Spur des äußeren Tores. Nach Westen zweiter Halsgraben, nördlich Ringgraben mit Vorwall. Erhalten sind drei Außenwände des Wohnturmes, schildmauerartig gegen die Angriffseite (Ostseite) gerichtet mit 3 m Mauerdicke und ausgesparter, als Halbkuppel gewölbter Kapellennische sowie Teile des Fünfeckzwingers mit zwei erhaltenen Halbrundtürmen an der Südost- und an der Südwestecke. Vorhanden gewesene Halbrundtürme an der Nordwest- und Nordostecke sind abgestürzt. Am Vorhof südlich Reste der Umfassungsmauer mit Spur des Außentores. Ringmauern und Türme aus Sandsteinquadern, Palas aus Backstein. Ein Bergfried fehlt, es handelt sich um eine reine Wohnturm-Kastell-Anlage. Jenseits des die Hauptburg nach Westen abschließenden Halsgrabens die Vorburg, an Umfang etwa gleich der Hauptburg, aber wesentlich einfacher ausgebildet als jene, ohne Zwinger, mit einfacher Ringmauer aus Backstein, Reste derselben auf der Südseite. Als einziger bedeutender Bauteil ein runder Zisternen- oder Brunnenschacht, über Zwickeln nach oben ins Quadrat überführt und einst überwölbt (Schildbögen). Eine Erhöhung im Ostteil der Vorburg könnte die Fundamente eines Turmes enthalten. Westlich Abschluß durch Halsgraben mit Vorwall sowie Ringgraben auf Süd- und Nordseite mit Vorwall. Jenseits des westlichen Halsgrabens der Vorburg, durch diesen von ihr getrennt, liegt auf dem schmalen, hier talwärts absinkenden Bergrücken noch eine Außenburg. Sie besteht aus einem aufgeworfenen Erdwerk und Graben mit Vorwall als unteren Abschluß. Gesamtlänge der drei Burgteile zusammen ca. 200 m, größte Breite ca. 70 m. Eine 100 m entfernt vom östlichen Halsgraben der Burg vorhandene Burgschanze, genannt „Wolfsgrube“, kann als Belagerungswerk oder vorgeschobenes Verteidigungswerk gelten (vgl. Grillenburg- Wolfsgrube).

Geschichte: Um 880/90 erste Nennung des Ortes „Coriledorpf“ (Hersfelder Urkundenbuch I). Ob bereits Burg fragIich. Erst 1217 eigener Adel Tidericus de Grellenberch und damit Bestehen der Burg anzunehmen. Lehensherr das Erzstift Magdeburg. 1254 Urkunde „Data in Grellenberg“. 1286 als Burgmannen auf Grillenberg Ritter Goswin und Friedrich, Brüder, genannt Musere. 1311 wird die Burg namentlich genannt „hus thome Grellenberghe“. 1347 durch Kauf an Meißen-Sachsen, in der folgenden Halberstädter Bischofsfehde durch Mansfeld erobert, 1485 wieder Meißen-Sachsen. 1486 Wolf v. Morungen Inhaber eines Burglehens zu Grillenberg, das erblich der Familie v. Morungen verblieb. 1547, nach dem Tod Georgs v. Morungen, fiel der „hohe Teil des wüsten Schlosses Grillenburg“ (Sangerhäuser Amtserbbuch) als: erledigtes Lehen an das sächsische Amt Sangerhausen zurück. Die Burg scheint schon damals in Verfall geraten zu sein, immerhin wohnte ein Zweig der Morunger bis 1581 dortselbst, verzog dann nach Obersdorf. Die Burg hat zeitweilig noch als Försterwohnung gedient. Zeit der endgültigen Aufgabe unbekannt.

Lit. u. Abb.: UB Hersfeld I 1 Nr. 37, CDA III Nr. 225; Reg. Arch. Magd. II Nr. 526, Nr. 1362; Dob. Reg. IV Nr. 2620; B.u.KDm. Prov. Sachsen V S. 28 ff. u. Gr. Abb. 21; Giesau, Hist. K. 1942; Grimm, 1958 Nr. 578 u. K. Abb. 42; Größler, ZHV 8 1875 S. 355; Größler, Hist. K. aus B.u.KDm. Prov. Sachsen XVIII/XIX; Krieg, Der Harz 20 1913 H. 9 S. 143 u. Abb. nach Aquarell v. Reuter; Tillmann, S. 312; Wäscher, 1962 S.103 f. u. Abb. 313, 317 Lagepl., Gr.