Der Höhlenforscher Dr. Ing. Friedrich Stolberg schrieb 1968 in seinem Buch
„Befestigungsanlagen im und am Harz von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit“


12. Allzunah-Burgwälle, Schadewald (= Hohe Allzunah). Burgruine. Herrmannsacker, Staatsforst (Roßla), Kr. Nordhausen (Sangerhausen), Bez. Erfurt (Merseburg).

Name: Schadewald, Hohe Allzunah, Großer Alzen.

Meßtischblatt: 2526/4431 Stolberg; N 17,5; W 13,7.

Allgemeine Lage: Südharzrand zwischen Ilfeld und Stolberg (Helmegau).

Örtliche Lage: 473 m NN auf isolierter, steiler Bergkuppe über dem Krebsbachtal (300 m NN), 1,6 km nördlich Herrmannsacker. Bildet den Mittelpunkt der Allzunah-Burgwälle (vgl. dort).

Baugrund: Roter Sandstein über Glimmermelaphyr des Unteren Rotliegenden.

Baumaterial: Sandstein als lagerhafter Bruchstein in Gipsmörtel.

Beschreibung: Ovaler Burgplatz 25X35 m, in seinem Südteil Stumpf eines runden Bergfrieds von ca. 6 m Durchmesser, im Fundament ein im Rotsandstein niedergebrachter Schacht von ca. 5 m Tiefe (Zisterne, Verließ?). Um den erhöhten Burgplatz im Oval umlaufender Ringgraben mit Vorwall, nordwestlich geht der Graben in eine geebnete Terrasse (Vorburg?) über. Ehem. Eingang. Gesamtausdehnung der ganzen Burganlage 55X60 m. Felsiger Steilabfall nach NO, nach S abfallender Bergrücken zur Niedern Allzunah (vgl. dort).

Geschichte: Vor- oder frühgeschichtlicher Ursprung nicht ausgeschlossen, die volkstümlichen Bezeichungen „Hohe Allzunah“, „Großer Alzen“ nehmen keinen Bezug auf den späteren Namen „Schadewald“. In heutiger Form aber Typ einer kleinen, mittelalterlichen Herrenburg. Erbaut vermutlich zwischen 1247 und 1249 durch Graf Siegfried v. Anhalt in seinem Streit mit Markgraf Heinrich d. Erlauchten von Meißen um das thüringische Erbe (Ebersburg!). Siegfried v. Anhalt hielt die dem Markgrafen von Kaiser Friedrich II. zugesprochenen Güter, u. a. Ebersburg, besetzt, die Burg Schadewald auf der die Ebersburg überhöhenden Allzunah diente offenbar als Operationsbasis. Inwieweit die übrigen Allzunah-Burgwälle einbezogen waren, bleibt einstweilen unklar, besonders die Rolle der Niederen Allzunah, ob für oder gegen Ebersburg, ist strittig. 1249 erhält Anhalt den unbestrittenen Besitz der Ebersburg, Schadewald erschien aber immer noch wichtig genug, um diese Burg mit dem anhaltinischen Truchseß Lippold v. Heimburg zu besetzen. 1260 Lippoldus de Schadewald dapifer, 1261 als Zeuge Lippoldus de Schadewalth. 1271 belehnen die Grafen Otto und Heinrich v. Anhalt ihren Gefolgsmann Friedrich v. Gernrode mit dem „castrum Scadewald“ nebst Einkünften. 1282 wird Schadewald letztmals genannt, immer noch in anhaltinischen Händen “Johannes miles de Wingninge in castro nostro Schadewalt“. Mit Übergang der Ebersburg 1326 an die Grafen v. Stolberg erlischt das Interesse Anhalts an diesem Südharzer Besitz, es scheint Burg Schadewald damit endgültig aufgegeben worden zu sein.

Lit. u. Abb.: UB Walkenried I Nr.312, 339, 440, II S.289 Nr.98; CDA II Nr. 393, 547, Meyer; Die Ebersburg, Nordhausen o.J. S. 11ff.; Meyer, ZHV 21 1888 S. 75ff. m. Gr., v. Oppermann/Schuchhardt, Atl. 67 Taf. XXIII Lagegr., Schnitte, Text Abs. 170.