Der Höhlenforscher Dr. Ing. Friedrich Stolberg schrieb 1968 in seinem Buch
„Befestigungsanlagen im und am Harz von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit“


237. Kelbra, Wasserburg, Reste in Guts- und Ortslage. Kelbra, Kr. Sangerhausen, Bez. Halle (Merseburg).

Name: Kelbra, Fronfeste, Altes Schloß.

Meßtischblatt: 2600/4532 Kelbra; W 12,1; S 17,0.

Allgemeine Lage: Nahe des südlichen, rechten Ufers der Helme am Fuß des Kyffhäusergebirges (Helmegau).

Örtliche Lage: An der Nordostecke der Stadt Kelbra, 156 m hoch, als Glied der Befestigung (Stadtrandburg) in der Helmeniederung.

Baugrund: Diluvialer Löß und Alluvialboden.

Baumaterial: Sandstein des Oberkarbon (Rotsandstein des Kyffhäusers).

Beschreibung: Ursprünglich runde Hauptburg mit nördlich anschließender Vorburg, beide von breitem und tiefem Graben umzogen, zweite Vorburg nördlich zur Helme anzunehmen. Hauptburg und nördliche Vorburg heute in Häuser von Gut und Stadt verbaut. Erhalten in der Hauptburg quadratischer Bergfried, 7X7 m, noch ca. 15 m hoch, mit neuzeitlichem, flachem Zeltdach, Mauerwerk mit durchgehenden Schichten und Eckquadern. Nördlich, unmittelbar angebaut, der Palas, zweigeschossig mit Unter- und Obergeschoß. Auf seiner Ostseite, im Obergeschoß, ein heute vermauerter Rundbogeneingang sowie gekuppeltes romanisches Fenster mit Säule und Kleeblattbogen (Ende 12. Jh. nach Wäscher). Nördlich Ringmauerstück mit Scharten. Auch der Palas unter späterem Dach, die Gräben heute trocken und stadtseitig eingeebnet.

Geschichte: Erste Nennung des Ortes 1093: Graf Heinrich v. Northeim und Behmerburg übereignet Kirche von „Kelvera“ dem Kloster Bursfelde. 1186 „Albertus de Kelveren“; 1287 „oppidum“ = unmauerter Ort (Burg) in Urkunde des Grafen Gozmar v. Kirchberg, damals Besitz der Grafen v. Beichlingen; 1370 v. Hohnstein; 1376 erwähnt Hohnsteinsche Burgleute, die Brüder v. Tütcherode. Im 16. Jh. Stolberg, teilweise Schwarzburg, zuletzt Stolberg-Roßla. Zeit der Aufgabe der Burg unbekannt.

Lit. u. Abb.: CDA I Nr. 648; Dob. Reg. III Nr. 1832; B.u.KDm. Prov. Sachsen V S. 41; Grimm, 1958 Nr. 569; Tillmann, S. 485; Wäscher, 1962 S. 166 f. u.
Abb. Nr. 549 (Lagepl.), 550, 551.

GPS-Koordinaten
N 51.4376° E 11.0414°