Der Höhlenforscher Dr. Ing. Friedrich Stolberg schrieb 1968 in seinem Buch
„Befestigungsanlagen im und am Harz von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit“


253. Kohnstein bei Salza, Kohnsteinkopf, Burgwall. Salza, Kr. Nordhausen (Grafschaft Hohenstein), Bez. Erfurt.

Name: Kohnsteinkopf, Kohnstein.

Meßtischblatt: 2525/4430 Nordhausen-Nord; S 18,7-19,7; O 20,4-21,1.

Allgemeine Lage: Südlicher Vorharz, Zechsteingürtel, Zorgegebiet (Helmegau).

Örtliche Lage: 308-326 m NN auf nordöstlich vortretender, mit Felswänden über fast 100 m Fallhöhe zur Zorge abbrechender Kuppe, dem Kohnsteinkopf, 1 km südlich Niedersachswerfen und 2,2 km nördlich Salza. Der Berg heute durch Steinbruchbetrieb durchgreifend verändert.

Baugrund: Zechstein-Hauptdolomit über Älterem Zechsteingips und Anhydrit.

Beschreibung: Der Kohnsteinkopf (332 m NN) bricht nach Norden und Nordosten mit Steilwänden zur Zorge ab (Steinbruch!), im Südwesten trennen zwei Talschluchten, „Höllental“ und „Sieben Täler“, den Kopf vom Hinterland, ein flacher Sattel (308 m NN) stellt hier die Verbindung her. Der Burgwall zieht im Südosten über den „Sieben Tälern“ entlang, berührt den Sattel mit einer Toranlage, streicht über dem „Höllental“ weiter, um dann scharf nach Nordosten umzubiegen und am Steilabbruch zu enden. Gesamtlänge 400 m. Der Wall ist teilweise nur schwach ausgeprägt, oft nur als Böschung wahrnehmbar und wird von einem wiederum nur streckenweise überkommenen Vorgraben begleitet. Der Wall steigt vom Sattel bis zum Nordostabbruch von 308 m NN auf 326 m NN, also um 18 m. Seine beste Ausbildung zeigt er am Sattel. Hier ist vor den Graben ein 90 m langer Vorwall aufgeworfen, der seinerseits wiederum einen Vorgraben besitzt. Diese Wallverdoppelung wird von dem ursprünglichen Tor durchschnitten, das mit Erdbrücken über die beiden Gräben festgestellt ist (Ausgrabung Grimm 1934). In den Wallkernen bezeugt rotgebrannter Lehm (Grimm) eine ehemalige Erdholzmauer, die angeschnittenen schwarzen Brandschichten weisen auf einst an der Wallmauer stehende kleine Holzhäuser von ca. 2,5X3,5 m. Die gesamte Kohnsteinkopf-Wallanlage erscheint unfertig, in Anfängen liegengeblieben. Zwei Außenwerke, Lindenkopf und Birkenkopf, ergänzen den Hauptwall. (vgl. dort).

Geschichte: Die Ausgrabung von Grimm 1934 weist altersmäßig den Kohnsteinwall der jüngsten Bronze- bis zur ältesten Eisenzeit zu (Hallstatt C, D). Die Tatsache, daß sich der Kohnsteinwall als verbrannte Holz-Erd-Mauer erweist, daß das ganze Werk einschließlich seiner Vorwerke auf Birkenkopf und Lindenkopf den Stempel der Unfertigkeit zeigen, läßt an einen feindlichen Überfall denken, dem die Burg zum Opfer fiel, ehe sie vollendet war.

Funde: Bronze-, Eisen und Keramikfunde 1934 nach Grimm (Hallstatt). Bronze: Bruchstücke von Steigbügelarmringen, Bronzering mit blauen Glasperlen, Bronzering mit Bernsteinperle, Bronzedraht, Bronzeblech. Eisen: Tüllenaxt, Sichel. Keramik: Unverzierte Ware in drei Hauptformen: Hochgezogene Töpfe mit nach außen gebogenem Rand; Schalen mit eingezogenem, auswärtsgebogenem Halsteil; Näpfe, Schalen mit eingezogenem, innen verdicktem Rand. Außerdem Keramiken mit Tupfenrand, Warzenverzierung, rinnenförmiger Vertiefung, Strichgruppenverzierung, Kammstrich (vgl. Grimm). Mus. Halle.

Lit. u. Abb.: Grimm, 1938 S. 180 ff. mit Textabb. 1-7 (Lagepl., Gr.) u. Taf. XLIX-LIII; Grimm, ZHV 95 NF 14 1962 S. 21 mit Gr. (Stolberg) S. 20; Meyer/Rackwitz, Der Helmegau S. 87 u. K.