Der Höhlenforscher Dr. Ing. Friedrich Stolberg schrieb 1968 in seinem Buch
„Befestigungsanlagen im und am Harz von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit“


268. Kyffhausen-Oberburg, Burgruine. Frankenhausen, Staatsforst Kyffhäuser, Kr. Artern (Landratsamt Frankenhausen), Bez. Halle (Schwarzburg-Rudolstadt).

Name: Kyffhausen-Oberburg, Kyffhäuseroberburg.

Meßtischblatt: 2600/4532 Kelbra; S 6,5; O 15,4-16,7.

Allgemeine Lage: Auf dem nördlichen Kamm des Kyffhäusergebirges in beherrschender Lage über dessen Nordhang (Nabelgau).

Örtliche Lage: 457 m NN auf höchster Erhebung des die Burgen tragenden Kammes, 287 m höher als das Vorland (170 m NN). Abfall nach Westen zum Bergsattel „Kohlstätte“, nach Osten Kamm zu Mittel- und Unterburg.

Baugrund: Oberkarbonischer Arkosesandstein mit altpaläozoischen Geröllen (Konglomerat).

Baumaterial: Rotsandstein (Karbon) als glattes Quadermauerwerk und Buckelquaderwerk mit waagerecht durchlaufenden Lagerfugen, Füllmauerwerk zum Teil in Fischgrätenverband.

Beschreibung: Die Oberburg ist, gegensätzlich zu Mittel- und Unterburg, eine ausgesprochene Langburg von 45X290 m im Mauerwerk gemessen, wozu in der Längenausdehnung noch weitere 45 m an Vorgräben und Vorwällen hinzukommen. Ein innerer Halsgraben teilt die Oberburg nochmals in einen Ost- und einen Westteil von ungleicher Länge: Ostteil 125 m, Westteil einschließlich Halsgraben 65 m, wobei der Westteil mit seinem Bergfried als beherrschende Zitadelle in Erscheinung tritt. Der Grundriß zeigt in seiner Gesamtdisposition jenen Burgtyp, wie er im Harzgebiet erstmals unter Heinrich IV. durch die Große Harzburg verkörpert wird und in der Lauenburg wiederkehrt. In allen drei Fällen können Heinrich IV. und sein Baumeister Benno v. Osnabrück als Initiatoren angesehen werden.

Durch den Denkmalbau 1890-1896 ist der Ostteil der Oberburg schwer in Mitleidenschaft gezogen, seine östlichen Partien sind mit Ausnahme eines 80 m langen Stückes der südlichen Ringmauer und eines Restes der östlichen Ringmauer vollkommen zerstört, auch der Berg selbst ist eingreifend verändert. Der Grundriß bei Anemüller (1891) zeigt am Ostende der Oberburg eine scharfe Mauerecke und einen Rundturm von ca. 10 m Durmmesser, der den Halsgraben gegen die Mittelburg deckte. Überlieferung nach soll außerdem beim Bau des Denkmals ein Mosaikfußboden gefunden worden sein (!). Besser erhalten sind die westlichen Partien des Ostteils. Auf Nord- und Südseite steht die Ringmauer geschlossen noch bis zu 10 m Höhe, das Südtor (Erfurter Tor) ist erhalten und entspricht mit Überwölbung und eingezogenen Flanken dem Tor der Unterburg. Dem Südtor gegenüber, dicht hinter dem nördlichen Ringmauerzug, befindet sich der nach 1934 wieder ausgeräumte, 176 m tiefe, in den Fels getriebene Burgbrunnen, heute mit neuzeitlichem Schutzdach versehen. Ebenso neuzeitlich ist die gesamte Bebauung des Burgraumes zwischen den Ringmauern mit Museum, Kassenhaus, Aborten usw.

Der Westteil der Oberburg ist in seiner Gesamtanlage erhalten geblieben, er kristallisiert sich um den mächtigen, quadratischen „Barbarossaturm“, der mit noch 21 m Höhe das Bild behauptet. Der mehr eines Wohnturm als einen normalen Bergfried darstellende Turm ist zweifellos unter Friedrich I. (1152-1190) errichtet worden, er zeigt das für die Stauferzeit charakteristische Buckelquaderwerk und dürfte dem letzten großen Erweiterungsbau der Burg angehören. Die Maße (nach Wäscher) sind beachtlich: Grundriß 10,2X10,8 m, Mauerdicke 2,8-3,2 m. Untergeschoß 6,5 m hoch mit Lichtschlitzen, darüber drei Wohngeschosse von je 3 m Höhe mit Balkendecken, jedes Geschoß ausgestattet mit Kamin und gekuppelten Fenstern, Abort-Erker im ersten Geschoß. Eingang in den Turm 10,5 m über Hofgleiche, Sitznische für den Wächter. Über den Wohngeschossen, nach außen abgesetzt, Turmaufsatz, 5,5 m hoch erhalten. Um den Turm gruppiert, an die Ringmauer angelehnt, südlich kleiner Palas, nördlich Wirtschafts- und Küchenbau, östlich über dem Halsgraben Brückenwiderlager, Torhaus, sämtlich in Grund- und Erdgeschoßmauern überkommen. Nördliche und südliche Ringmauer laufen über die ganze Breite des Halsgrabens durch. An der Westspitze bildete die Ringmauer eine scharfe, rechtwinklige Kante (vgl. Große Harzburg!), vor die später eine gerundete Erweiterung nach Art eines schmalen Zwingers vorgesetzt wurde. Die Ringmauer besaß (Wäscher) Außenputz mit Ritzfugen. Westlich der Oberburg bilden als Außenwerke zwei breite, sichelförmige Gräben mit hohen Vorwällen den Abschluß (betr. der durch Ausgrabungen festgestellten vorgeschichtlichen Ur-Anlage vgl. Kyffhausen-Burgwall).

Geschichte: Siehe das unter Kyffhausen-Unterburg Gesagte.

Funde: Vgl. Kyffhausen-Unterburg.

Lit. u. Abb.: Vgl. allgemein Kyffhausen-Unterburg, besonders nachstehende Literaturstellen: Anemüller, 1891 Oberburg S. 5 f. Gr. (auch des durch Denkmalbau zerstörten Teils); Stein, 1950 Oberburg S. 16, 25 f., 39, 93, 96 ff., Abb. 49; Wäscher, H. 15 1959 Oberburg S. 12 ff. Abb. 1, 42-54 Gr., Schnitte, Abb.; Wäscher, 1962 Oberburg S. 111 f., Abb. 337 Gr., 338 Schnitt, 348 Gr., Aufrisse Barbarossaturm, 351 Rekonstr., 352, 353 Abb. Barbarossaturm, 354 Gesamtrekonstr.; Mrusek, S. 33, 67, Abb. 39-40.

GPS-Koordinaten
N 51.4136° E 11.1067°


266. Kyffhausen-Burgwall, Burgwall. Frankenhausen, Staatsforst Kyffhäuser, Kr. Artern (Landratsamt Frankenhausen), Bez. Halle (Schwarzburg-Rudolstadt).

Name: Oberburg Kyffhäuser, Vorgeschichtliche Besiedlung.

Meßtischblatt: 2600/4532 Kelbra; S 6,6; O 16,5.

Allgemeine Lage: Auf dem nördlichen Kamm des Kyffhäusergebirges und seinen Hangpartien (Nabelgau).

Örtliche Lage: ca. 440 m NN im Westteil der Kyffhausen-Oberburg.

Baugrund: Oberkarbonischer Arkosesandstein mit altpaläozoischen Geröllagen und Schiefertonlagen.

Baumaterial: Anstehendes Gestein als Trockenmauer (Neumann).

Beschreibung: Während der Ausgrabung der Oberburg 1937 wurde durch die Suchgräben eine durch sterile Zwischenlagen von den mittelalterlichen Schichten getrennte, bis zu 0,5 m starke vorgeschichtliche Kulturschicht angeschnitten. Suchgraben 19 (Neumann) ergab an seinem Nordende künstlich gesetzte Stücke des anstehenden Gesteins, wahrscheinlich vorgeschichtliche Trockenmauer. Auch in den Suchgräben 4-6 zusammengestürzte Wall-Trockenmauer. Lage der Wallreste und weit hangabwärts ziehende Siedlungsreste lassen auf einen Burgwall schließen, der an Umfang über das spätere, mittelalterliche Burgareal hinausging (Neumann).

Geschichte: Ältere bis eisenzeitliche Besiedlung.

Funde: 2 Steinbeilbruchstücke; zahlreiche zum Teil verzierte oder auf der Drehscheibe gearbeitete Gefäßreste, Spinnwirtel und einige Bruchstücke von Bronzegegenständen. Kyffhäusermuseum (Grimm).

Lit. u. Abb.: Neumann, Z. Ver. thür. Gesch. Altertumsk. NF 34 1940 S. 318 ff.; Das Kyffhäusergebirge (Führer) 2. Auflage Berlin 1938 S.3 ff.; Grimm, 1958 Nr. 10 Abb. 8 K.