Der Höhlenforscher Dr. Ing. Friedrich Stolberg schrieb 1968 in seinem Buch
„Befestigungsanlagen im und am Harz von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit“



306. Nordhausen-Reichsburg, Burgstelle. Nordhausen, Kr. Nordhausen (Stadtkr. Nordhausen), Bez. Erfurt.

Name: Reichsburg, Reichsritterburg, Ritterstraße.

Meßtischblatt: 2525/4430 Nordhausen-Nord; S 1,2; O 11,2.

Allgemeine Lage: Südharzvorland über der Zorgeniederung (Helmegau).

Örtliche Lage: 210 m NN am Rand der nach Westen zur Zorgeniederung abfallenden Oberstadt auf nach Süden vorgestreckter, heute überbauter Hochterrasse, 300 m südlich des ehemaligen Pfalzkomplexes (Dom). Platz „Königshof“ und „Ritterstraße“.

Baugrund: Diluvialer Harzschotter mit nordischem Material, mit Bänderton und Feinsand über Unterem Buntsandstein.

Beschreibung: Keine nachweisbaren Reste. Nur Straßennamen „Königshof“ und „Ritterstraße“.

Geschichte: Anlage des „Königshofes“, curtis, gleich jener der Pfalz um 919 anzunehmen in Verbindung mit einer besonderen Burg. Da die Pfalz 929 als Witwengut an Königin Mathilde fiel und von dieser nach Heinrichs I. Tod 936 auch als solches bewohnt wurde, veränderte sich die Funktion der Pfalz, die 961 dann in ein Nonnenkloster umgewandelt wurde. Der politisch-wirtschaftliche Schwerpunkt fiel damit endgültig in die curtis und die dortige Reichsburg. 972 erscheint der königliche Hof Nordhausen in der Reihe der von Kaiser Otto II. seiner Gemahlin Theophanu als Morgengabe geschenkten Höfe „imperatorias quoque curtes nostras propria maiestate dignas Bochbarda, Thiela, Heriuurde, Dullede, Nordhuse...“ (DO II Nr. 21). 1158 erste urkundliche Nennung der Burg selbst: Kaiser Friedrich I. überläßt auf Bitten der Äbtissin Caecilia dem Nonnenkloster das gesamte kaiserliche Eigentum in der „villa“ Nordhausen, bestehend aus „castrum et curtis dominicalis“ (Urk. Stadtarchiv Nordhausen I A 1). Erste Zerstörung der Burg 1180 durch Heinrich den Löwen, zweite Zerstörung 1277 durch die Bürger der Stadt im Kampf um die verfassungsmäßige Unabhängigkeit der Stadt, Vertreibung der als Aufsichtsbehörde fungierenden Reichsritter. Nordhausen vorübergehend in kaiserlicher Ungnade (Rudolf I.), 1290 erklärt Rudolf I. seine Versöhnung „quem ratione castri imperialis apud Northusen diruti“ (Urk. Stadtarchiv Nordhausen I A 5). Die Burg wurde offenbar nicht wieder aufgebaut. Unter dem Hintergebäude Ritterstraße 6 ein romanischer Keller. Von der Burg (?)

Lit. u. Abb.: MG DO II Nr. 21; UB Nordhausen I Nr.1 u. Nr. 8; B.u.KDm. Prov. Sachsen XI S. 3; Grimm, 1961 Abb. 3; Silberborth, Festschrift I Nordhausen 1927 S. 63, 574; Tillmann, S. 741.