Der Höhlenforscher Dr. Ing. Friedrich Stolberg schrieb 1968 in seinem Buch
„Befestigungsanlagen im und am Harz von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit“



305. Nordhausen-Reichshof, fränkisch, Reste (?) fränkischer Reichshofanlage. Nordhausen, Kr. Nordhausen (Stadtkr. Nordhausen), Bez. Erfurt.

Name: Alt-Nordhausen, Stadtteil am Frauenberg.

Meßtischblatt: 2598/4530 Nordhausen-Süd; N 0,5-1,5; O 7,8-9,8.

Allgemeine Lage: Am Abfall der südlichen Vorharzstufe, an deren Überang in die flache Niederung von Zorge und Helme, Goldene Aue Helmegau).

Örtliche Lage: 180-195 m NN im Südostteil der Stadt Nordhausen, Frauenbergviertel.

Baugrund: Diluviale Harzschotter mit nordischem Material über Unterem Buntsandstein.

Beschreibung: Trapezförmige Fläche von 500 m, auf 280 m schmaler werdend bei 400 m Tiefe, 15,6 Hektar, südlich begrenzt durch den alten Zorge-Mühlgraben-Lauf (heutige Hallesche Straße), östlich durch den Taschenberg, nördlich durch die Schützenstraße, westlich durch die Frauenberger Stiege mit dem Komplex des ehemaligen Frauenbergklosters und der Frauenbergkirche. Ost-West-Achse in der Mitte des Areals gebildet durch die alte Sangerhäuser Heerstraße, schräg im Hang hinab verlaufende Querverbindung zum Mühlgraben durch die Wassergasse. Die ganze Fläche heute überbaut. Östlich des ehemaligen Frauenbergklosters (Kirche) und der Frauenberger Stiege erhalten tiefer Graben mit Wachthügel, vielleicht als originaler Teil des alten Reichshofes anzusprechen, ebenso Gräben im Zug von Schützenstraße und Taschenberg. Die alte Sangerhäuser Straße führte westlich durch das (verschwundene) Innere Bielentor in den Reichshof und verließ ihn östlich durch das Äußere Bielentor (verschwunden). Anschluß an die spätere Oberstadtbefestigung Nordhausens am sog. Rähmen, Ecke Frauenberger Stiege-Schützenstraße. Schriftliche Quellen des Stadtarchivs Nordhausen berichten von einem Bergfried und von einer legendären Burg am Frauenberg, die möglicherweise dem Reichshof angehört haben können (vgl. unten, Geschichte).

Geschichte: Der Name „Alt-Nordhausen“ kennzeichnet die ältere Gründung, die auch im späteren Mittelalter mit diesem Titel bedacht wird und sich damit von der 929 erstmals genannten Königspfalz unterscheidet. Der Platz am Zusammenschnitt ältester Straßen (Heidenstieg, Thüringer Stieg u. a.) und Nord-, Süd-, Ost- Westverbindungen dürfte als fränkische Siedlung unter Karl d. Großen zwischen 780 und 790 entstanden sein, er blieb städtebaulich ein eigenständiges Gebilde mit Umwehrung und Toren, dem späteren inneren und äußeren Bielentor, und mit eigenem Zugang zu Mühlgraben und Zorge, der Wassergasse. Das Ende des 12. Jh. entstandene Frauenbergkloster siedelt sich unmittelbar westlich an und fügt nur noch den Klosterhof in die Südwestecke des Komplexes ein. Stets wird ausdrücklich von „Alt Nordhausen“ gesprochen: 1308 „molendium veteris Northusen“, die Frauenberger Klostermühle (Urk. Stadtarchiv Ma 33); 1355 Klostermühle in „Alden Northusen“ (Urk. Stadtarchiv Ma 58b). Die Urkunde ist inhaltlich besonders bemerkenswert: Vicar Sander muß das Aufwerfen eines Grabens unter des Frauenbergs inneren Graben und den Bergfried durch seinen Hof und durch den Weg zu „Alden Northusen“ gestatten. 1464 (Urk. Stadtarchiv 12 Mss) sagt ein Protokoll des Vicars H. Bruckmann, daß auf dem Frauenberg sollte eine „festeninge“ (Burg) gestanden haben, auf der ein Vogt des Reichs wohnte, der nach der Legende die Burg „do er uffe wonte des richs wegen“ in ein Jungfrauenkloster verwandelt habe. Tatsächlich bestätigt Kaiser Friedrich II. 1237 dem Vogt Rupertus eine dem Kloster gemachte Schenkung (UB Nordhausen I Nr. 6). Andere Legende versetzt die sagenhafte Burg auf den Rähmen, nahe dem höchsten nordwestlichsten Punkt des Reichshofes. Es bleibt tatsächlich die Möglichkeit des Vorhandenseins einer kleinen Burg innerhalb des Reichshofes bestehen. 1491 wird nochmals das Alte Nordhausen ausdrücklich genannt in dem Besatzungsregister, es muß die Besatzung des (inneren) Bielentores auch das Tor zu „alten Northusen“ (äußeres Bielentor) mit versorgen. Später scheint dann die Bezeichnung in Vergessenheit geraten zu sein.

Lit. u. Abb.: UB Nordhausen I Nr. 6; B.u.KDm. Prov. Sachsen XI S. 2, 6, dazu Stadtpl. mit Reichshof; Grimm, 1961 Abb. 3 Höhenschichtenpl. mit Eintragung v. Königspfalz u. Reichshof; Förstemann, Urkundliche Geschichte der Stadt Nordhausen bis zum Jahre 1250, Nordhausen 1840; Meyer, 1910 S. 1 ff.; Silberborth, Festschrift I Nordhausen 1927 S. 5 ff. und Stadtpl. J. Schmidt Abb. 20; Tillmann, S. 741.