Der Höhlenforscher Dr. Ing. Friedrich Stolberg schrieb 1968 in seinem Buch
„Befestigungsanlagen im und am Harz von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit“


345. Questenberg , Burgruine. Questenberg, Kr. Sangerhausen, Bez. Halle (Merseburg).

Name: Questenberg, Questenburg.

Meßtischblatt: 2600/4532 Kelbra; N 1,1 : O 12,6

Allgemeine Lage: Tal der Nasse, Zechsteingürtel des südlichen Ostharzrandes (Helmegau).

Örtliche Lage: Auf nach Süden vorspringender Bergzunge, 270 m hoch, unmittelbar nördlich über dem Dorf Questenberg, 70 m höher als dasselbe.

Baugrund: Jüngerer Zechsteingips.

Baumaterial: Gips, Dolomitkalk, Rotsandstein, Schiefer. Bearbeitung als hammerrechter Bruchstein mit Eckquadern. Gipsmörtel.

Beschreibung: Hauptburg (Oberburg) langgestreckt, ca. 35X80 m, Nordwest-Südost gerichtet, im Ursprung romanische, ovale Anlage, später umgebaut und erweitert, Trennung durch Quermauer in Nordwest- und Südostteil. Im Nordwestteil an höchster Stelle, unmittelbar hinter der Ringmauer, runder Bergfried von 8,8 m Durchmesser, nur noch 7 m hoch erhalten, südlich, an die Ringmauer gelehnt, turmartiges Gebäude, 9X9 m, mit tonnengewölbtem Keller, daneben nach außen vortretender quadratischer Torturm, 5X5 m, mit durchgehender Spitzbogentonne, in Mitte der Quermauer vorgesetzt kleiner Recheckbau, ca. 7X8 m. Zugang zum Südostteil nur durch 0,9 m breite, mit Riegelbalkenloch versehene Pforte in der Quermauer. Im Südostteil nördlich der Palas, 9X21 m, an die Ringmauer gelehnt, östlich, rechwinklig dazu, Wohnbau, 10X17 m, mit großem, tonnengewölbtem Keller. Der Kellerabgang war, wie Fundamente zeigen, ebenfalls überbaut, womit für den Südostteil nur ein enger Innenhof freiblieb. Um die gesamte Hauptburg umlaufender, stellenweise nur 1 m breiter Zwinger, südwestlich, 10 m tiefer, planierte Vorburg mit Ringmauer und eigenem Zwinger. Tiefer, breiter Graben mit Vorwall um Haupt- und Vorburg, nur südlich durch steilen Geländeabfall ersetzt. Die Grabensohle läuft unterhalb der Vorburg in eine ebenfalls planierte Terrasse aus, die als zweite Vorburg betrachtet werden kann. Gesamtgröße der Burganlage einschließlich der Gräben und Wälle ca. 100X120 m.
Im Innern des Bergfrieds (durch später eingebrochenes Schlupfloch zugänglich) auf den geglätteten Steinflächen eingeritzte Ritzzeichnungen, um 1500; Handwerksgeräte, Brettspiele, Kreuze usw., vermutlich durch Gefangene zum Zeitvertreib geschaffen.

Geschichte: Erbauung der Burg ca. 1200 - 1250 anzusetzen, vermutlich Besitz der Grafen v. Beichlingen, erste Namensnennung 1275 in Urkunde des Grafen Friedrich v. Beichlingen in der sein Knappe „Fredericus de Questenberg, servus“ als Zeuge auftritt. Genannter erscheint in dieser Eigenschaft noch mehrfach bis 1303. Seit 1305 die Grafen v. Hohnstein als Besitzer, 1319 geben sie das „hus zcuo Questinberg“ dem Ritter Heinrich von me Rade (v. Rode) und dessen Brüdern zu Lehen. 1383 Verkauf an Landgraf Balthasar v. Thüringen. Thüringen bleibt bis 1429 Besitzer von Burg und Herrschaft, die aber ununterbrochen nur als Verpfändungsobjekt dienen. 1430 durch Verkauf an die Grafen v. Stolberg, die ebenfalls die Burg nur zu Pfandgeschäften nutzten. Pfandinhaber u.a. 1430 - 1441 Ritter Hans Barth, 1441 - 1453 Friedrich v. Bila, 1453 - 1468 Hans Knut. Dann v. Bertikow, ab 1544 - 1550 vorübergehend sogar die Grafen v. Mansfeld, danach wieder Knut u.a. 1645 Stolberg-Wernigerode als Lehensherr, 1718 der ganze Besitz durch Kauf an Stolberg-Roßla. Letzte Funktion als Burg 1633, als eine Kompanie Landvolk unter Kriegskommissar Valenthin Rothmehler in der Burg lag zum Schutz gegen die berüchtigten Harzschützen. Seitdem Verfall. 1649 nur noch die Keller in brauchbaren Zustand.

Lit. u. Abb.: Dob. Reg IV Nr. 1146; B.u.KDm. Prov. Sachsen V S. 50 ff. Abb. Fig. 50, 51 (Ritzzeichnung im Turm); Grimm, 1930 S. 20 f. Abb. 9, 10 (Lagesk. Stolberg); Grimm, 1958 Nr. 585 u. K. Abb. 42; Hoffmann, 1836 S. 1 ff. Abb.; Meyer, ZHV 4 1871 S. 257 f.; Meyer, Leipzig 1898; Schmidt, ZHV 21 1888 S. 248 ff.; Silberborth, 1940 S. 251, 275 u. K.; Stein, 1950 S. 80, 90;Tillmann, S. 831; Timm, ZHV 94 NF 13 1961 S. 77; Wäscher, 1962 S. 126 f. Abb. 392 Gr., Abb. 393 Schnitte, Abb. 394-398 Ritzzeichnungen.

GPS-Koordinaten
N 51.4952° E 11.1190°

↓ Sagen über die Burg Questenberg ↓

[ Die Sagen vom Schlosse Quästenberg ] (GRÄSSE)
[ Die Quäste ] (KUHN & SCHWARTZ)