Straße bei Morungen eingebrochen

Trichter mit zehn Metern Umfang - Landesstraße voll gesperrt - Ist Gipskarst Ursache?

Einen Umfang von zehn Metern hatte der Einsturztrichter auf der Landesstraße nahe dem Kunstteich Wettelrode am Mittwochnachmittag. Anwohner Herrmann Schnelle hat so etwas in seinem ganzen Leben noch nicht gesehen.

Zwischen Morungen und Wettelrode ist die Straße weggebrochen. Gestern Nachmittag 15.40 Uhr ging die erste Information von Bürgern bei der Sangerhäuser Polizei ein, dass sich die Landesstraße 231 abgesenkt hat. Etwa 200 Meter hinter dem Abzweig Kunstteich ist die Straße kegelförmig eingebrochen. Menschen kamen bei dem Erdfall nicht zu Schaden. Der Umfang des Trichters beträgt etwa zehn Meter. Eine erste Messung ergab eine Senkung um 50 Zentimeter. Bereits gegen 17 Uhr soll sich die Fahrbahn um 70 Zentimeter abgesenkt haben. "Der Vorgang scheint noch nicht abgeschlossen", so ein Polizeisprecher gestern Abend.

Auch Herrmann Schnelle, dessen Grundstück nur rund 50 Meter vom Einsturzloch entfernt ist, beobachtete das Ganze voll Sorge. "So etwas habe ich in meinen 72 Jahren noch nicht gesehen", sagte der Rentner. Auch er ist der Meinung, dass noch nicht Schluss ist und sich der Boden an dieser Stelle immer weiter auftut.

Bereitschaftsdienste der Stadt Sangerhausen und der Straßenmeisterei waren gestern sofort vor Ort, um die Lage zu überprüfen. Die Strecke wurde als unpassierbar erklärt und sofort abgesperrt. Auch über den Verkehrsfunk wurden die Autofahrer gewarnt. Eine Umleitung über Lengefeld ist bereits ausgeschildert, hieß es aus dem Sangerhäuser Ordnungsamt.

Ein Grund dafür, dass die Straße bei Morungen plötzlich einbrach, kann der Gipskarst im Untergrund sein. Womöglich ist der Einbruch im Zusammenhang auch mit dem starken Regen gestern zu sehen. Das zu überprüfen wird Sache der Mitarbeiter der Bergbaubehörde sein, die heute in Morungen vor Ort sein werden.

Eine Haupteigenschaft der Karstgesteine, zu denen der hier typische Gips gehört, ist ihre Wasserlöslichkeit und -durchlässigkeit. Jeder Liter Wasser, der die Gesteinsschichten durchdringt, kann zwei Gramm Gips lösen, ehe das Wasser gesättigt ist und dem Gestein somit nichts mehr anhaben kann.

Das scheint nicht viel zu sein, im Laufe der Zeit aber trägt das Wasser auf diese Weise viele Kubikmeter Gestein mit sich fort. Durch den stetigen Grundwasserstrom zur Quelle hin werden Karstklüfte im Laufe der Zeit zu Spalten, Hohlräumen und sogar zu großen Höhlen. Da das natürliche Gipsgestein nicht sehr standfest ist, kommt es mitunter zu Einbrüchen. Bei Neckendorf, nahe Eisleben, gab es in den vergangenen Jahren zwei große Erdfälle an der damaligen Bundesstraße 180. Der jüngste Einbruch war im März 2000. Damals hatte sich dort die Straßendecke auf mehr als zehn Metern um etwa zwei Meter gesenkt. Gartenbesitzer und nicht die teure Warnanlage alarmierten damals die Polizei.
 

von Ralf Kandel und Beate Thomashausen, 25.06.08



Was löste Erdfall bei Morungen aus? - Fahrzeug aus Trichter geborgen

Mit Hilfe eines Krans wurde dieser Pkw Donnerstag aus dem Trichter geborgen. Der Fahrer soll die Warnschilder missachtet haben.

Der etwa acht Quadratmeter große Trichter, der sich Mittwochnachmittag auf der Landstraße zwischen Wettelrode und Morungen aufgetan hatte, soll in den nächsten Tagen intensiv untersucht werden. Darauf haben sich Experten an der Unglücksstelle verständigt. Die Straße bleibt vermutlich für mehrere Wochen voll gesperrt.

"Mitarbeiter eines Spezialunternehmens werden am kommenden Montag den Trichter großflächig aufschachten und etwa 300 Tonnen Gestein herausnehmen", sagte Gerhard Jost, Dezernatsleiter Altbergbau beim Landesamt für Geologie und Bergwesen in Staßfurt. "Dann werden wir nach der Ursache schauen." Möglich sei, dass sich unter der Straße ein alter Schacht befindet, der eingebrochen ist. Immerhin seien auf einer Karte des Gebiets drei alte Kupferschieferschächte und mehrere Halden verzeichnet.

Jost schließt aber auch eine so genannte Karst-Erscheinung nicht aus, die durch den starken Regen am Mittwoch ausgelöst worden sein könnte. Eine Haupteigenschaft der Karstgesteine, zu denen der in der Region typische Gips gehört, ist ihre Wasserlöslichkeit und -durchlässigkeit. Jeder Liter Wasser, der das Gestein durchdringt, kann zwei Gramm Gips lösen, ehe das Wasser gesättigt ist und dem Gestein nichts mehr anhaben kann. Im Laufe der Zeit trägt das Wasser auf diese Weise viele Kubikmeter Gips mit sich fort.

Donnerstagmittag wurde mit Hilfe eines Krans auch ein Auto aus dem Trichter geborgen, dessen Fahrer (67) gegen 4.45 Uhr Donnerstagmorgen dort hinein gefahren war. Der Mann hatte laut Polizei die aufgestellten Baken und Verkehrsschilder missachtet und war dann mit seinem Seat in dem Loch hängen geblieben. Er selbst blieb unverletzt, am Fahrzeug entstand beträchtlicher Sachschaden. Mittlerweile ist die Gefahrenstelle mit einem massiven Bauzaun gesichert.
 

von Frank Schedwill, 26.06.08



Alter Schacht löst Erdfall aus

Nach Einsturz von Straße aufwendige Reparatur nötig - Streit um die Absperrung

Etwa sechs Meter tief gruben Mitarbeiter eines Spezialunternehmens mit einem Bagger das Loch in der Straße nach Morungen auf und stießen auf einen alten Schacht.

Die Ursache des Erdfalls auf der Landstraße zwischen Wettelrode und Morungen ist geklärt. Ein mehr als 200 Jahre alter Kupferschieferschacht, der sich unter der Straße befindet, ist eingebrochen und hat das Loch in der Fahrbahn verursacht. Das ergab Montagnachmittag eine Untersuchung vor Ort.

Mitarbeiter des Spezialunternehmens hatten den Trichter, der in den vergangenen Tagen weiter abgesackt war, am Vormittag etwa sechs Meter tief aufgeschachtet. Sie stießen dabei auf recht gut erhaltene Holzbohlen. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um eine so genannte Bühne, mit der die Schachtröhre verschlossen wurde. "Eine Karst-Erscheinung, also das Auswaschen des in der Region vorherrschenden Gipsanhydrits durch Wasser, kann ausgeschlossen werden", sagte Gerhard Jost, Dezernatsleiter Altbergbau beim Landesamt für Geologie und Bergwesen.

Uwe Kästner (72), Bergbaurentner aus Wettelrode, hatte Fotokopien alter Karten mitgebracht. Demnach handelt es sich bei dem Schacht um den etwa 60 Meter tiefen Probstschacht, der im 18. Jahrhundert angelegt worden war.

Unklar ist noch, wie lange die Reparatur der Straße dauern wird und wer sie bezahlt. In Frage kommen das Bergbauamt oder der Landesbetrieb Bau. Beide Behörden wollen in den nächsten Tagen das weitere Vorgehen festlegen. Laut Jost ist die Reparatur sehr aufwendig. Der Schacht müsse fachmännisch soweit aufgegraben werden, bis man auf "festes Gebirge" stoße. Erst dann könne eine Stahlbetonplatte verankert und das Loch wieder verfüllt werden. Jost: "Da sind 100 000 Euro sehr schnell weg." Die Morunger werden wohl noch eine ganze Weile die Umleitung über Großleinungen und Lengefeld fahren müssen, wenn sie nach Sangerhausen wollen.

Streit gibt es um die am vergangenen Mittwoch aufgestellte provisorische Absperrung: Der Rentner (67), der Donnerstagmorgen mit seinem Auto in dem Trichter hängen geblieben war, sagte Montag, die aufgestellten Warnbaken seien alle zur Seite gedreht gewesen. Er habe deshalb gedacht, die Straße sei noch befahrbar: "Ansonsten wäre ich auf keinen Fall weiter gefahren." Er will nun Anzeige bei der Polizei gegen unbekannt erstatten. Sein Auto war bei dem Crash im Frontbereich und am Unterboden stark beschädigt worden.

Der Pkw des Mannes musste aufwendig mit einem Autokran geborgen werden. Erst danach wurde das Loch in der Straße mit einem massiven Bauzaun gesichert.
 

von Frank Schedwill, 30.06.08

GPS-Koordinaten
N 51.5166° E 11.2637°