Die Försterhöhle

Text: Reinhard Völker
Fotos: Gerhard Oberländer

Die Försterhöhle liegt am Nordhang des Tiefen Tales im Alten Stolberg. Sie ist etwa 75 m lang, an einer hercyn streichenden Kluft im vergipsten Hauptanhydrit angelegt. Die Überdeckung beträgt nur wenige Meter.

Es ist nicht genau feststellbar, seit wann die Höhle bekannt ist. Wahrscheinlich diente das relativ große Höhlenportal mit der Vorhöhle zeitweilig als Zufluchtsstätte, da hier Topfscherben aus dem 15. und 16. Jahrhundert gefunden wurden. Auch soll nach einem Reisebericht von C. DUVAL (1840) im Inneren der Höhle eine Inschrift aus dem Jahre 1549 sichtbar gewesen sein:

[...] Eine Viertelstunde südlich, nach Urbach zu, liegt an der Nordseite eines ziemlich steilen und beträchtlich hohen Berges eine Höhle, welche "das Försterloch" oder "die Leopoldshöhle" heißt, weil sie ein Förster, Namens Leopold, entdeckte. Sie ist zwar nicht mit der Baumannshöhle zu vergleichen, allein sie ist auch nicht eben ganz unbedeutend zu nennen, denn sie besteht aus 11 Abtheilungen. Der Eingang liegt hoch oben am Berge und, sich bückend wie ein Hofmann, gelangt man in das erste Gewölbe. Es ist ziemlich geräumig, enthält aber sonst nichts Bemerkenswerthes, als Namen derjenigen, welche diese Höhle besuchten. Links führt eine Oeffnung, welche einem Backofenloche gleicht, in die zweite Höhle, welche tiefer liegt und auch weiter und höher ist, als die erste. Man findet in den Felsen die Jahreszahl 1549 eingehauen. Wenn sie echt ist, so muß die Höhle früher bekannt, später aber wieder in Vergessenheit gerathen sein, und Förster Leopold fand sie im vorigen Jahrhundert nur wieder auf. Aus diesem Raume gelangt man auf ziemlich engem Wege in die dritte und wiederum durch eine lange Schluft in die vierte Abtheilung, in welcher der Name GERHAVEN mit ziemlich alt aussehenden Lettern zu lesen ist. Von hier aus muß man wieder in einem schmalen Gange hingehen bis an einen Felsen, welcher die Höhle quer durchzieht und jedes weitere Vordringen zu hemmen scheint. Um weiter zu gelangen, muß man entweder unter oder über diesen Fels hinklettern, was gleich gut oder, besser gesagt, gleich schlecht geht. In der Mitte der fünften Höhle, welche die größeste von allen ist, liegt ein großes, von der Decke herabgestüztes Felsenstück. Bis jetzt hat sich der Berg immer gesenkt, jetzt aber geht der Pfad steil hinan in die sechste Höhle, vor deren Eingange wieder ein Felsen liegt, welcher überklettert werden muß. So geht es fort bis ans Ende der letzten Höhle, aus welcher nur ganz niedrige, unzugängliche Felsspalten führen. Der Kalkstein, in welchem diese Höhle liegt, ist sehr fest und der Besuch derselben daher ohne Gefahr.
  Außer dieser Höhle gibt es noch eine Menge von Schlotten und Spalten, unter denen "das Fohlenloch" am bemerkenswerthesten ist.

Im siebenjährigen Krieg, erzählte mir ein alter Mann, nahmen die Soldaten den Bauern in der Umgegend alle Pferde hinweg und ein Einwohner von Steigerthal versteckte daher ein schönes junges Fohlen in eine Höhle und brachte ihm täglich ganz ins Geheim das beste Futter, welches er hatte. Endlich waren die Feinde aus der Gegend verschwunden und der Bauer eilte mit schnellen Schritten nach der Höhle, das schöne Thier abzuholen. Allein wie erschrak er, als er die Bemerkung machte, daß dasselbe unter der Zeit so groß geworden, daß keine Möglichkeit vorhanden war, es durch die Oeffnung, durch welche er es in die Höhle gebracht hatte, wieder herauszubringen und er sah sich endlich, nachdem er es noch eine Zeit hindurch erhalten, genöthigt, dasselbe tot zu stechen.

  Beim Pflügen und Steinebrechen werden in der Umgegend Steigerthals oft Knochen herausgegraben, welche Thieren angehören, die entweder gar nicht, oder doch wenigstens hier nicht mehr existieren und vor etwa zwanzig Jahren wurde ein ganz verkalktes, vollständiges Elephantengerippe ausgegraben, das in das Försterhaus zu Steigerthal gebracht und dort aufbewahrt wurde. Die Hüftkugeln hatten einen einen halben Fuß im Durchmesser und das stärkste Ende eines Zahnes war sechs Zoll. [...]


1926 beschrieb Friedrich Stolberg die Höhle und fertigte einen Plan an:



Die Nordhäuser Höhlenforscher beschäftigten sich später mit der Höhle, es wurden noch mehrere Pläne angefertigt.

Die Höhle ist Quartier für winterschlafende Fledermäuse. In den letzten Jahren wurde sie touristisch häufiger besucht, was sich auf die Fledermausfauna negativ auswirkte.

Die Höhle wurde mehrfach biologisch und geologisch bearbeitet.