Die Grasburg

(230 m NN) auf dem Nordhange des „Alten Stolberg“ über Rottleberode. Sie zeigt Spuren eines Walles mit den Trümmern einer mittelalterlichen Kapelle. Auch im Vorgelände ist noch ein größerer Wallabschnitt sichtbar.
Von der Lage her, weithin ins Land einsehbar, könnte hier ein heidnischer Kultplatz gewesen sein, auf dem die frühen Christen dann ihre Kirche errichteten.
Die Stelle wird erstmals 1316/20 als „submonte Crastysburg“ erwähnt. Archäologische Suchschnitte im Jahr 1973 erbrachten keine urgeschichtlichen Scherben (Bronze-/eisenzeit) sondern nur frühgeschichtliche Scherben des 10. bis 14. Jahrhunderts.

Die Grasburg war vom 10. bis 12. Jahrhundert bewohnt. Die Kapelle wurde erst im 13. Jahrhundert errichtet. Heute noch sichtbar ist die Ruine der romanischen einschiffigen Kapelle mit abgesetztem Rechteckchor (Schiff: ca 6,5 m x 10,5 m, Chor: 3,5 m x 3,35 m). Erhalten ist eine Giebelwand mit ausgebrochener Choröffnung und Teile der Chor- und Schiffsmauern.

In der Chor-Südwand befindet sich ein Rundbogenfensterchen (Spathfenster).
Der Wall im Vorgelände der Grasburg (200 m) an der „Grasburger Mühle“ gilt als eine Anlage der zur Burg gehörigen Dienstmannsiedlung und dem Reichshof Rottleberode (843 - 880). Die geschichtlichen Nachrichten betreffs Burg und Kapelle sind rar.
In katholischer Zeit versammelten sich am Kirchweihfesttage viel Volk auf der Grasburg und Handelstreibende schlugen ihre Verkaufsbuden daselbst auf, von denen 1499 „Stetegeld zur Crasporg“ erhoben wurde.
Dieses Kirchweihfest zu „Crasburg“ ... besuchten auch die Grafen zu Stolberg fleißig, so Graf Botho 1508, 1510 und 1517.
Die Sage erzählt, dass die älteste Stammburg „Stolberg“ auf der auf einem der Eckberge des Waldes „Alter Stolberg“ gelegenen Grasburg erbaut worden sei, nachdem in diesem Walde der italienische Ritter Otto de Columna einen schwarzen Hirsch erlegt und dem römischen Kaiser Justinian verehrt hatte und dafür zum ersten Grafen von Stolberg ums Jahr 530 n.Cr. ernannt worden war.

GPS-Koordinaten
N 51.5183° E 10.9349°

Der Höhlenforscher Dr. Ing. Friedrich Stolberg schrieb 1968 in seinem Buch
„Befestigungsanlagen im und am Harz von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit“


147. Grasburg, Burgwall mit Kirchenruine. Stempeda, Forst Alter Stolberg, Kr. Nordhausen (Sangerhausen), Bez. Erfurt (Merseburg).

Name: Grasburg, Alt-Stolberg.

Meßtischblatt: 2526/4431 Stolberg; S 8,6; O 18,1.

A!lgemeine Lage: Südharzvorland, Ausgang des Thyratals aus dem Gebirge (Helmegau).

Örtliche Lage: 230 m NN auf vortretendem Bergsporn an der Nordostecke des Gipsgebirges „Alter Stolberg“ über dem Zusammenschnitt von Thyra- und Krebsbachtal, 0,8 km westlich Rottleberode.

Baugrund: Jüngerer Zechsteingips.

Baumaterial: Kirche, Gips und Rotsandstein in Gipsmörtel.

Beschreibung: Der nach Westen, Norden, Osten steil über Felsen abfallende Burgplatz wird nach Süden durch einen Graben und hohen Vorwall vom Plateau geschieden. Hinter dem Vorwall tiefer, künstlich getriebener Schacht (Zisterne?). In der Burg Ruine einer romanischen einschiffigen Kapelle mit abgesetztem Rechteckchor, Schiff ca. 6,5 X10,5 m i. L., Chor 3,50X5,35 m. Erhalten Giebelwand mit ausgebrochener Choröffnung, Teile der Chor- und Schiffsmauern. Rundbogenfensterchen in der Chor-Südwand (Spathfenster). Am Fuß der Grasburg, 200 m östlich am Krebsbach (205 m NN), am linken Ufer bei der Grasburger Mühle ein 200 m langer Wall mit Vorgraben als Schutz einer zur Burg gehörigen Dienstmannensiedlung mit Mühle. Vgl. unter „Grasburger Mühle“.

Geschichte: Vermutlich Zusammenhang mit dem Reichshof Rottleberode (843-880) und dem dortigen Grashof (vgl. dort). Sonst keine geschichtlichen Nachrichten betr. Burg und Kapelle.

Lit. u. Abb.: B.u.KDm. Prov. Sachsen V S. 101 f.; Grimm, 1961 S. 33 Abb.6 LagepI.; Meyer, ZHV 4 1871 S. 269.


148. Grasburger Mühle, Burgwall. Rottleberode, Kr. Sangerhausen, Bez. Halle (Merseburg).

Name: Wall um die Grasburger Mühle, Wall unter der Grasburg.

Meßtischblatt: 2526/4431 Stolberg; S 8,3; O 17,0.

Allgemeine Lage: Vor dem Südharzrand in der Krebsbach-Thyra-Niederung (Helmegau).

Örtliche Lage: 205 m NN am Fuß der Grasburg (Alter Stolberg) in flachem Gelände des linken östlichen Krebsbachufers bei der Grasburger Mühle, 0,3 km westlich Rottleberode.

Baugrund: Alluviale Flußschotter einheimischer Gesteine mit Lehmdecke.

Beschreibung: In schwachem S-Bogen nordsüdlich verlaufender Wall, 200 m lang mit Vorgraben, östlich dem Mühlgraben folgend, an beiden Enden gegen den Berghang (Krebsbach) umbiegend. Umschlossene Fläche etwa 100X200 m, innerhalb derselben die Grasburger Mühle.

Geschichte: Zugehörig zu Grasburg und dem 843-880 entstandenen Reichshof Rottleberode, nach Grimm Dienstmannensiedlung der Grasburg (vgl. Grasburg und Rottleberode „Grashof“).

Lit. u. Abb.: Grimm, 1961 S. 33 Abb. 6 mit Lagepl., Meßtbl. mit Darst. von Wall und Graben.