Jahre 1337 fallen Schloß und Amt Herzberg an Heinrich Mirabilis, d. h. den Bewundernswerten. Spätere Geschlechter haben den Beinamen verfälscht, und so ist Heinrich, der Begründer der Grubenhagenschen Linie als "der Wunderliche" in die Geschichte eingegangen. Sein Sohn Heinrich de graecia = von Griechenland, so benannt, weil er eine große Reise ins Morgenland unternahm, von der außer seiner zweiten Frau, einer Königstochter aus dem Hause Lusignan, das auf der Insel Zypern residiert, eine Reliquie aus dem Heiligen Land und einen ansehnlichen Haufen Schulden heimbrachte. Zwei Dornen aus der Krone des Erlösers und ein Stückchen Holz vom Kreuze des Herrn schenkte der Herzog dem Kloster Walkenried "zu großem Gewinn", wie die dankbaren Mönche berichteten. Die leidige Geldnot zwang Herzog Heinrich, wertvolle Teile seines väterlichen Erbes zu versetzen oder zu verkaufen. So erwirbt sein Nachbar, der Erzbischof von Mainz, von ihm die Aemter Gieboldehausen und Duderstadt. Immer wieder haben seine Söhne und seine späteren Nachkommen versucht, den verkauften Besitz zurückzuerobern. Und in den folgenden 200 Jahren reiht sich Fehde an Fehde. Hattorf liegt unmittelbar an dieser blutenden Grenze. Aber nicht nur mit dem Mainzer Kurfürsten wurden Fehden geführt. 1461 kam es zu einem Kriege zwischen Grubenhagen und Hessen. Sittich von Berlepsch, der Führer der hessischen Haufen, drang zunächst bis Bilshausen vor. Die Bevölkerung der Grubenhagenschen Orte, also auch Hattorfs, war rechtzeitig gewarnt und hatte sich in den Schutz des Herzberger Schlosses zurückgezogen. Von den drei Schlachten, die in diesem Kriege geschlagen wurden, fand eine vor Hattorf statt. Nach mündlicher Überlieferung soll sie im "Kampdalsgrund" auf dem Klusanger ausgetragen worden sein. Erst im Jahre 1692 wurden die Streitigkeiten zwischen Churmainz und dem Hause Braunschweig endgültig beigelegt. Damit war das trübste Kapitel aus der Geschichte unserer engeren Heimat abgeschlossen. Aus dieser Zeit stammen auch die wuchtigen Grenzsteine, die im Rotenberge längs der Hattorfer Gemeindegrenze stehen. Auf der Südseite hat der Steinmetz das Mainzer Rad, auf der Grubenhagenschen die Wolfsangel eingegraben.

Aus den Wirren des 15. Jahrhunderts ging unser vollständig verarmtes kleines Herzogtum mit seinem ebenso verarmten Herrscherhause in das Jahrhundert der Reformation.

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