Menschen und auch dem Vieh. Menschen und Vieh wurden nicht einmal mehr recht satt und dazu war es auch noch kalt. Von Mai an bis Ende August, also volle vier Monate, dauerte die Hungersnot. Es war nichts zu kochen und zu backen bei den meisten. Nur der vierte Teil aller Leute im Dorfe hatte zu Essen. Mit Kornschneiden fing man bereits Mitte August an, trotzdem es noch nicht reif war. Man konnte kaum so viel kriegen, wie man aufaß, da es jeden Tag regnete. Die Frucht mußte zwei Tage beim Ofen getrocknet werden, und man konnte sie doch nicht recht mahlen, da sie so feucht war. Von auswärts wurden Vitsbohnen geschickt, die wurden für die armen Leute gekocht, daß sie nicht verhungerten. Solch große Not war durch ganz Deutschland. Am 9. September kamen 600 Mann französische Jäger zu Fuß ins Dorf, welche die Leute sechs Tage lang schikanierten. Das hat Hattorf 2000 Taler gekostet. Da war das Korn erst richtig reif, auch der Weizen war reif. Es war auch recht gutes Wetter. Nur konnten die Leute nicht auf die Felder, da sie dem Kriegsvolk aufwarten mußten. Die Winterfrüchte kamen erst acht Tage vor Michaelis völlig ein, das Sommerfeld war erst zu Martini abgeerntet. Am 28. Oktober schon fing es an zu schneien, und der Wind wehete den Schnee durcheinander auf Haufen. Am 31. Oktober wurde es helle, und es war Abendrot. Was geschah da in dieser Nacht? Da erfror das ganze Obst: Aepfel, Birnen, Zwetschgen. Auch die Kartoffeln froren ganz, daß man sie mit Beilen und Hacken aus dem Frost und Schnee herausholen mußte. Zuletzt erfroren sie alle in einer Nacht. Als man nun meinte, dieses Leiden wäre vorbei, was geschah da? Siehe! Da kamen die Preußen haufenweise, Infanterie und Kavallerie. Sie kamen am 15. November und lagen hier 14 Tage stille. Es waren vier Kompanien aus Stettin. Es mußte auch viel geliefert werden an Korn, Stroh und Hafer. Das hat der König von Preußen auch bezahlt. Auch das Stroh ist bezahlt. Aber durch die Schlechtigkeit der Leute, welche hier in Hattorf regierten, hat die Gemeinde doch nichts davon zugute gehabt. Das Geld ist für schlechte Dinge ausgegeben.
 

Die Preußen kamen auch wieder hier durch und nahmen das Hannoversche Land ein. Am 11. September zogen sie alle zusammen nach Sachsen - Weimar, die ganze preußische Armee

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