harte Taler. Wenn man den Wert des Reichstalers um das Jahr 1900 mit etwa 16,50 Goldmark ansetzen kann, so hätte die Gemeinde um die Jahrhundertwende dementsprechend an Abgaben und Steuern etwa 150 000 Goldmark aufbringen müssen. Über die Lebensweise unserer Vorfahren zu Beginn des 19. Jahrhunderts gibt Dr. König eine sehr anschauliche Schilderung: "Das Dorf besteht aus 190 Vollstellen und 1150 Seelen. Die Bewohner des Dorfes haben keinen anderen Nahrungszweig als den Ackerbau, und dieser wird sehr gedrückt durch die Hude und Weide, welche die Domäne auf den Äckern und Wiesen der Bauern ausführen darf. Die Hattorfer Bauern selbst dürfen auf ihrem eigenen Grund und Boden keine Schafe weiden, sondern sie müssen ihre Schafe in die benachbarten preußischen Staaten bringen und dort die Weide bezahlen. Der Ackerbau hat seit dem Jahr 1808 bis jetzt durch die beispiellose Zahl von Kriegsgefahren, wo die fleißigsten Hände durch Kriegsdienste dem Feldbau entzogen sind, unendlich gelitten. Die Bewohner haben, um ihre Existenz zu erhalten, folgende Lebensart: Sie kleiden sich Winter und Sommer in grobes Leinen, und der Fuhrmannskittel und das Beinkleid gewähren oft eine Musterkarte von groben und feinen, von weißen und grauen aufgesetzten Flicken. Man sieht oft nur Flicken und glaubt, die ländliche Tracht sei aus diesen zusammengestückt. Die Betriebsamkeit dieser Menschen erscheint unglaublich. Des Morgens um 2 Uhr gehen Männer und Frauen, Jünglinge und Mädchen auf die Dreschdiele. Bis 8 Uhr haben elf Personen etwa 60 Garben gedroschen. Dann geht der Altvater, oft ein siebzigjähriger Greis, in die Dreschscheuer und reinigt die Frucht, womit er sich unter Mithilfe von unmündigen acht-, 10- und 12jährigen Kindern bis nachmittags um 4 Uhr beschäftigt. Die Männer und Jünglinge ziehen um 8 Uhr, wenn sie gedroschen haben, mit dem Gespann in das Holz oder auf Lohnfuhren oder zur Bestellung des Ackers. Nach ihrer Heimkehr um 12 Uhr, in den ersten beiden Fällen tragen sie die gereinigte Frucht auf den Boden. Ist dieses geschehen, so setzen sie sich an den Webstuhl und weben bis 8 und 9 Uhr des Abends Leinen von ihrem selbsterzeugten Flachs. Die Weiber spinnen von des Morgens 8 bis des Abends 9 Uhr. Und die Kinder, wenn die Schulstunden vorüber sind, treiben von Nachmittag 4 Uhr bis abends 8 Uhr das Spulrad.
 
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