geblieben sind. Aus den hohen Essen der Flachsspinnerei und der Stuhlfabrik indes quillt der schwarze Qualm der Steinkohle. In beiden Fabriken schaffen Hunderte von einheimischen Männern und Frauen und zahlreiche Heimatvertriebene, für die es auf dem Mutterboden der Heimatflur nicht genug zu werken gibt. Wie unterschiedlich die Farbe unseres Ackerbodens ist, das können wir von unserem Standpunkt aus besonders gut sehen: Die Aecker an den Flußläufen glänzen schwarz, die frischgepflügten Schollen des Röderberges, des Krückers und des Ochsenberges dagegen schimmern rötlich wie das weite Becken des Untereichsfeldes in unserem Rücken. An den Südhängen unserer Berge liegen die fruchtbarsten Ländereien auf dem tiefgründigen angewehten bräunlichen Löß. Unsere ganze Hattorfer Flur steht auf der Eichsfelder Buntsandsteinplatte. Dieser Buntsandstein bildet zwar in seinem Verwitterungsprodukt einen schwer zu bearbeitenden Boden, der zur Verkrustung neigt und wenig fruchtbar ist, der aber durch den großen Fleiß seiner Besitzer und Pächter, durch intensive Kultur und ausgiebige natürliche und künstliche Düngung trotzdem eine ausreichende Rente sichert.

Sieber und Oder haben im Laufe der Jahrtausende ungeheure Schottermengen zu Tal gebracht. Dieser Grauwackekies ist an den meisten Stellen aber so mit Sinkstoffen und Humus angereichert, daß das Steinland an den Flußläufen größtenteils kultiviert ist. Nur in trockenen Jahren mit niedrigem Grundwasserspiegel und geringen Regenfällen bleibt hier der Ertrag hinter den Erwartungen zurück.
 

Dem nachdenklichen Beschauer drängt sich beim Anblick der lachenden Fluren die Frage auf, wie lange schon mögen Menschen dort unten im Tal wohnen? Aus Funden altsteinzeitlicher Werkzeuge, die im Leinetal und in Höhlen des benachbarten Harzes gemacht wurden, wissen wir, daß wandernde Horden der ältesten Menschenrasse vor mehr als 100000 Jahren unsere heimische Landschaft mindestens durchstreift haben. Vor dem Eingang der Steinkirche in Scharzfeld fand Prof. Jakob-

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