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254. Kyffhäusersagen.
a) Der Schäfer.
Gotthold Klee

Einst trieb ein Schäfer seine Herde ziemlich weit hinauf an das alte Kyffhäuserschloß und blies fröhlich auf seiner Schalmei, daß es weithin schallte. Plötzlich stand ein ganz kleines Männchen neben ihm, grüßte ihn artig und fragte: "Möchtest Du wohl den alten Kaiser Friedrich sehen und ihm auch ein solch fröhliches Stücklein aufspielen?" - "Warum denn nicht?" erwiderte der Schäfer und folgte dem Männlein getrost in den Felsengang, der sich mit einem Male vor ihnen aufgetan hatte. Endlich kamen sie in eine weite Halle, wo der Barbarossa mit geneigtem Haupte und geschlossenen Augen zu schlummern schien. Berherzt ergriff der Schäfer nun seine Schalmei und bließ. Da hob der alte Kaiser sein Haupt empor und fragte: "Fliegen die Raben noch um die Burg? - "Sie fliegen noch," erwiederte der Schäfer. Auf diese Antwort seufzte der Kaiser tief und schwer und sprach kummervoll: "So muß ich aufs neue hundert Jahre schlafen!" neigte sein Haupt und schien zu entschlummern. Der Zwerg führte darauf den Schäfer wieder an das Tageslicht und verschwand, ohne ihm eine Belohnung zuzustellen. Wie aber der Schäfer nach seiner Herde sah, die zuvor gar klein war, erstaunte er, zählte und fand, daß hundert Stück darüber waren. Die waren nun sein Eigentum, und er ward ein reicher Mann.

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