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Hattorf im Revolutionsjahr 1848

Das die Wogen der Revolution auch in Hattorf spürbar waren, geht aus einem Bericht von Pastor Soltmann hervor, den er unter der Überschrift "Politica" in seiner Chronik niederschrieb:

"Das Jahr 1848 ist in der neueren Geschichte gewiß eines der merkwürdigsten. Am 24. Februar brach eine Revolution in Paris aus, durch welche König Louis Phillip vom Throne gestoßen und verjagt und Frankreich für eine Republik erklärt wurde. Solche republikanischen Grundsätze verbreiteten sich bald nach Deutschland. In allen einzelnen Staaten entstanden Unruhen und Forderungen nach Umänderungen in der Staatsverfassung, und die Fürsten sahen sich genötigt, ihren Untertanen viele Rechte zuzugestehen. Doch ist hier nicht der Ort, um eine ausführliche Schilderung der Begebenheiten und Veränderungen zu machen, welche in diesem Jahre in Deutschland vor sich gegangen sind, diese sind aus den Geschichtsbüchern vollständiger und genauer zu ersehen, welche hierüber bereits erschienen sind und noch erscheinen werden. Hier möge nur einiges erwähnt werden, was sich auf Hattorf und die umliegende Gegend bezieht.

Der Geist der Umwälzung herrschte freilich auch hier, indessen kann es der Gemeinde zum Ruhme nachgesagt werden, daß sie sich in den gehörigen Schranken hielt und es hier zu keinen Exzessen kam, welche leider in Wulften, Pöhlde, Andreasberg u.a. der Fall war. An manchen Orten - z.B. in Osterode, Herzberg, Lauterberg - wurden Bürgerwehren errichtet, dieselben bewaffnet, uniformiert, exerziert, es wurden Fahnenweihen gehalten, Freiheitsfeste gefeiert, welches den Teilnehmern viele Kosten und Versäumnisse verursachte, worüber schon bald mancher Verständige seufzte. Auch hier fing man an, eine solche Wehr zu errichten. Man kam des Sonntags nachmittags auf dem Schützenanger zusammen, marschierte auf und nieder, jedoch ohne Waffen, und als vorgeschlagen wurde, sich doch wenigstens Piken anzuschaffen, scheute man die Kosten, der anfängliche Eifer erlosch allmählich, und als die Roggenernte eintrat, war alles vorbei..."

(Die Pike war ursprünglich die Hauptwaffe des Fußvolkes vor der Einführung des Bajonettgewehres. Es handelte sich um eine 3 bis 4 Meter lange, meist aus Eschenholz gefertigte elastische Stoßwaffe, die mit einer schmiedeeisernen Spitze versehen war und in den regulären Armeen schon in den Freiheitskriegen nicht mehr in Gebrauch war. Obschon gewiß verhältnismäßig billig, war sie den Hattorfern wohl doch zu teuer).