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Vom Flachsanbau und der Flachsbereitung

Neben dem Getreidebau und der Viehzucht bildete der Flachsanbau eine wichtige Grundlage der heimatlichen bäuerlichen Wirtschaft. Noch vor drei Generationen bestand bei der Landbevölkerung die Notwendigkeit, alle Lebensbedürfnisse aus der eigenen Wirtschaft zu decken. Durch den Verkauf der in der Heimindustrie gewonnenen Flachsprodukte kam das Bargeld in das Dorf. Um das Jahr 1892 hieß es: "Flachs muß in jedem Orte gebaut werden, sonst wird die wichtigste Quelle unseres baren Reichtums nach und nach versiegen". In einzelnen Landschaften des Kurfürstentums Hannover wurden durchschnittlich jeder 20. Morgen des Ackerlandes mit Flachs bestellt. Ein arbeitsloser Weg lag zwischen "der Saat und der Naht". Zwei Menschenalter haben genügt, um über den Flachsbau und die Flachsbereitung den Schleier des Vergessens zu legen.

In der Gemeinde Hattorf wurde im Verhältnis zu den anderen Dörfern Südhannovers der meiste Flachs angebaut. Jeder 10. Morgen des Brachlandes wurde noch vor 100 Jahren hier mit Flachs bestellt. Das Brachland umfaßte etwa 2 000 Morgen. Es wurden also ca. 200 Morgen alljährlich mit Flachs besät.

Der Flachs ist die Bastfaser der Leinpflanze. Man unterschied zwei Spielarten: Den gemeinen Lein und den Klanglein. Der gemeine Lein, auch Dreschlein genannt, hatte lange dünne Stengel, lange und feste Bastfasern, kleine Blüten und später kleine grüne Samenkapseln, die geschlossen blieben und erst durch Dreschen geöffnet wurden. Der Klanglein hatte ästige Stengel, größere Blüten und Samenkapseln. Er lieferte feinere und reichere Fäden. Seine Samenkapseln sprangen bei völliger Reife mit leisem Klang auf.