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Nach der Zeit der Aussaat unterschied man Frühflachs und Spätflachs. Der Frühflachs wurde Ende März - Anfang April gesät. Hundert Tage nach Neujahr galt als die beste Saatzeit. Dann war der Flachs nämlich vor der Roggenernte reif. Die Aussaat des Spätflachses erfolgte drei Tage vor bis 3 Tage nach Johanni (24.6.). Die Aussaat mußte auch bei schlechtem Wetter vor sich gehen. Der Spätflachs lieferte zwar größere Mengen, er war aber von geringerer Güte als der frühe Flachs.

Das für den Anbau von Flachs vorgesehene Ackerstück erforderte eine sorgfältige Bearbeitung. War das Land naß, so mußte es mehrere Male gepflügt und geeggt werden. Am besten gedieh der Flachs, wenn der Acker im Vohrjahre gründlich gedüngt war. Als beste Vorfrucht galten Kartoffeln und Klee. Nur alle acht bis 10 Jahre durfte in der Fruchtfolge der Flachs an dieselbe Stelle gebracht werden.

Ein Himbten Lein, etwa 20 kg, war die Aussaat für 1/3 Morgen. Der Lein mußte sehr dich gesät werden. Dadurch suchte man weniger kräftige und starke, sondern vielmehr lange und schlanke Stengel zu erzielen. Die Dienstboten hatten ein besonders großes Interesse am Gedeihen des Flachses, da zu ihrem Jahreslohn als Deputat ein Stück Flachsland gehörte, dessen Größe bei Dienstantritt genau ausgemacht wurde. Den Leinsamen hatten sie sich selbst zu besorgen, die Düngung und die Bestellung war frei. Der dicht ausgestreute Samen wurde durch Eggen und Walzen in die Erde gebracht.

In trockener Zeit lief der Lein schlecht auf, bei nasser Witterung hingegen gut. Das Flachsfeld mußte des öfteren gejätet werden. Die jungen Pflanzen litten oft durch Erdflöhe und Schneckenfraß. Der schlimmste Feind des Flachsfeldes war die Flachsseide, ein Halbschmarotzer. Etwa 6 Wochen nach der Aussaat begann die Blütezeit.