7/10
Die Mädchenschule und die Reihe ihrer Lehrer

Ursprünglich gab es in Hattorf nur eine Schule. Ob darin Jungen und Mädchen gemeinsam unterrichtet wurden, läßt sich heute nicht mehr feststellen. Im Jahre 1654 wurde für die Kirche die erste Orgel angeschafft, und von diesem Zeitpunkt an findet sich in den Kirchenregistern alljährlich eine Ausgabe von 10 Florin (Goldgulden) als Besoldung für den Organisten ausgewiesen. Es ist wahrscheinlich, daß der Organist gleichzeitig den Unterricht für die Mädchen versah. Diese Mädchenschule befand sich mitten im Dorf in der späteren Bäckerei Schirmer, jetzt Konsum. Vor der Haustür dieses Gebäudes stand die Jahreszahl 1670. In dem Kirchenregister von 1669 heißt es: "zum Bau des Organistenhauses mit Bewilligung der Herren Oberen (wahrscheinlich des Amtmanns und der Superintendentur) 12 Taler gegeben." Zu Soltmanns Zeiten war dieses Gebäude bereits so baufällig geworden, daß sich eine Reparatur nicht mehr lohnte. Soltmann sagt: "Sowohl die Leichtigkeit des Baues, denn nach 150 Jahren dürfte es noch nicht in einem solchen erbärmlichen Zustande sein, als auch die trostlose Einrichtung des Inneren macht den damaligen Erbauern keine Ehre. Die Schulstube, die damals vielleicht groß genug war, ist 16 Fuß (4,80m) lang und ebenso breit, war also nur 22 qm groß." Soltmann führt fort: "Seit geraumer Zeit hat sie schon die Menge der Schulkinder nicht mehr fassen können." Um 1850 wurde sie von 128 Mädchen als Unterrichtsraum genutzt. Hinter der Schulstube liegt die Wohnstube des Lehrers. Sie war 10 Fuß lang und 10 Fuß breit, also 100 Quadratfuß ( = 9 qm) groß. Außer dieser erbärmlichen Größe der Stube, worin doch eine Familie wohnen soll, da weiter keine heizbare Stube im Hause ist, findet noch die verkehrte Einrichtung statt, daß der Zugang zu derselben durch die Schulstube geht. Unten ist nichts mehr als eine enge Küche und ein Backofen. Oben im Hause sind nicht heizbare Kammern. Das Haus selbst ist mit Stroh gedeckt.