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mit der die Frauen jener frühen Zeit ihre Fellkleidung und vielleicht schon gar selbstgewebte Stoffe genäht haben. Wie man in die 7 cm lange Nadel das zierliche Öhr gebohrt hat, darüber gibt es noch keine Erklärung. Knochen, Geweihe und Gehörne der Beutetiere dieser eiszeitlichen Jäger wurden und werden noch heute in dem Abraum der Stein- und Gipsbrüche am ganzen südwestlichen Harzrande gefunden. Außer den Rentieren belebten Wildpferdherden, riesige altzeitliche Elefanten, in den zahlreichen Höhlen des Harzes und seines Vorlandes hausenden Bären, Löwen, Hyänen, sowie Riesenhirsche mit einer Geweihauslage von über 3 Metern unsere Landschaft. Bei Ellrich und Walkenried wurden viele Stoßzähne des Mammuts geborgen, die am lebenden Tier ein Gewicht von 80 Kilogramm erreichten. Bei der Anlage der Chaussee nach dem Herzberger Schloß wurde im Jahre 1866 ein mächtiger Backenzahn eines Riesenelefanten gefunden. Einen internationalen Ruf in der Welt der Paläontologen, nämlich der Wissenschaftler, die sich mit den Lebewesen vergangener Erdperioden befassen, genießt die Tongrube der Jacobi - Tonwerke in Bilshausen. Hier wurden Relikte des Riesenhirsches, des wollhaarigen Nashorns, ein vollständiges Skelett des Breitstirnelchs und im Vorjahre das gut erhaltene Knochengerüst des seltenen Steppenhirsches (Orthogenooeros) an das Tageslicht gebracht. Diese Aufzählung ist keineswegs erschöpfend!

Siedlungsplätze aus der Mittleren Steinzeit (7 000 - 4 000 v. Chr.) und aus der Jüngeren Steinzeit (4 000 - 2 000 v. Chr.) sind im südlichen Teile des Kreises Osterode bislang nicht aufgefunden. Wohnplätze der seßhaften, schon Ackerbau und Viehzucht treibenden Jungsteinzeitmenschen sind für das westliche Kreisgebiet durch Lehrer Wilhelm Lampe nachgewiesen. Auch in der Hattorfer Flur sollen Werkzeuge jener friedliebenden Bevölkerung gefunden sein. (Steinbeile und Hacken) Die Funde sind verschollen, weil das Interesse für prähistorische Dinge noch nicht geweckt war.

Über die Kultur der Jungsteinzeitmenschen sind wir durch einen glücklichen Umstand außergewöhnlich gut unterrichtet: In unmittelbarer Nähe der Stadt Duderstadt am Osthange des Euzenberges wurde vor dem 2. Weltkriege eine Siedlung der Bandkeramiker bei Ausschachtungen für Industriewerke aufgefunden. Hier siedelten die Linearbandkeramiker, so benannt nach den wie mit einem Lineal gezogenen Verzierungen an ihren außerordentlich vielfältigen Tongefäßen. In drei sich jeweils über Jahre erstreckenden Grabungen stellten die Archäologen fest, daß es sich bei dieser Siedlung um die größte ihrer Art handelt, die bislang aufgefunden wurde, umfasste sie doch eine Fläche von 10 Hektar.