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Von Hexen und Zauberinnen

Auch in unserem "aufgeklärten" Zeitalter liest man immer wieder von Hexenprozessen. Frauen und Männer werden auch heute noch häufig genug als Hexen verleumdet. Immer wieder müssen bedauernswerte Frauen, denen ebenso törichte wie verbrecherische Mitmenschen den Bösen Blick und anderes mehr nachsagen, die Hilfe der Gerichte in Anspruch nehmen. In der sogenannten guten, alten Zeit war es noch schlimmer. Neid hatte für die angeblichen Hexen oft böse Folgen. War das Vieh im Stalle mager und struppig, und gaben die Ziegen oder Kühe gar keine oder wenig Milch, weil sie nicht gepflegt und in Folge von Mißernten nicht satt gefüttert werden konnten, dann hatte eben die böse Nachbarin die Schuld. Sie hatte die Tiere einfach verhext. Gedieh aber das Vieh des Fleißigen, und gaben seine Kühe reichliche und fette Milch, so war der Neid des faulen und liederlichen Nachbarn schnell geweckt, und bald raunte es im Dorf: Die Bäuerin ist eine Hexe, und der Teufel hat ihr gewiß eine Kröte ins Butterfaß gesetzt. Ja, wer solch ein Tier besaß, dem geriet die Butter sogar bei Gewitter, und er hatte nie Mangel an dem kostbaren Fett. Im benachbarten Wulften war es die Hexe Hobein, die an allem Unglück, was dort geschah, die Schuld hatte. Ging ein Pferd ein, sie hatte es auf dem Gewissen. Sie konnte sich sogar in eine Katze verwandeln, um unauffälliger in der Nachbarschaft das Fleisch stehlen zu können. Aber einmal kam sie an den Unrechten. Als ihr Nachbar eines Tages einen Kater dabei überraschte, wie er ihm ein Stück Braten aus dem Haus schleppen wollte, schlug er ihm mit einem Messer die Pfote ab, die zu seinem Schreck als menschlicher Finger zu Boden fiel. Urplötzlich stand jammernd die Hobein vor ihm und bat ihn, ihr den Finger wiederzugeben. Er tat es. Die Hexe nahm den Finger, blies einmal daran, und er saß wieder fest an der Hand.