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Als der letzte Herzog der Grubenhagenschen Linie in Herzberg sich zum Sterben legte und unser kleines Herzogtum widerrechtlich von Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel annektiert wurde, da mag manchem seiner neuen Untertanen ein kalter Schauer über den Rücken gelaufen zu sein. Der neue Herr galt nämlich unter seinen Zeitgenossen als einer der schlimmsten Hexenverfolger. Im übrigen erfreute er sich des Rufes als ausgezeichneten Juristen und eines feinsinnigen Dichters ...  Im Lechtelnholz bei Wolfenbüttel qualmten bis zu seinem Tode (1613) die Scheiterhaufen, auf denen an einem Tage oft 12 Frauen und mehr auf qualvollste Art ihr Leben endeten. Wir glauben zu wissen, was es heißt, in Angst leben zu müssen. Die seelische Marter, in der unsere Voreltern in jener finsteren Zeit lebten, kann man sich kaum vorstellen. Im Fürstentum Grubenhagen scheint es indes verhältnismäßig gnädig abgegangen zu sein. Eigenartig ist es, daß in den Hattorfer Kirchenbüchern, die 1589 beginnen, erstmalig in der Regierungszeit des Herzog Heinrich Julius von Hexen gesprochen wird. Sämtliche diesbezüglichen Eintragungen stammen von dem Pfarrer Buhlenus, der von 1603 - 1624 in Hattorf war und dann nach Herzberg ging. Da stirbt beispielsweise 1605 der Bauer Henni (Heinrich) Winkel, auch Ohnesorge genannt. Er hatte seinen Schwiegervater erschlagen. Merkwürdigerweise scheint diese Untat nicht oder nur gelinde bestraft zu sein. Buhlenus hat bei der Eintragung von Winkels Tode die Bemerkung angeknüpft, daß der Paricida (Vatermörder) dem allgemeinen Gerede nach ein Werwolf gewesen sei. Im Juni 1606 ließ er "die alte Zaubersche" vor dem Kirchhof ohne Zeremonie im Knickgraben begraben, weil sie des Landes verwiesen war. Wer des Landes verwiesen war, durfte sich im Fürstentum Grubenhagen nicht mehr sehen lassen. An und für sich wurde er dann arrestiert. Die alte Zaubersche indes wird es verstanden haben, sich dem Zugriff der Behörden zu entziehen.