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Die Schandpfähle. Ein solcher befand sich ebenfalls auf dem Tie im Oberdorf. Nur ganz wenige alte Leute kennen ihn noch vom Hörensagen. Im Jahre 1933 wußte der Bauer Heinrich Lohrengel, der damals 85 Jahre alt war, dem Verfasser zu berichten, daß er als kleiner Junge gesehen habe, wie ein "slecht Minsch, namens Dietrich" daran gebunden war. Er sprach von dem "Schannepahl". Dietrich hatte ein paar Bunde Linsen gestohlen, die zu seinem Füßen niedergelegt waren. Der Verurteilte wurde nicht nur mit einer Freiheits- oder Prügelstrafe bedacht, sondern oft auch als Unehrlicher der Verhöhnung der Menge preisgegeben.

Wie gräßlich und blutig die Justiz noch im 18. Jahrhundert war, dafür nur zwei Beispiele. Im Januar 1714 wurde eine aus dem kleinen Dorfe Marke stammende Kindesmörderin mit dem Schwert gerichtet. Sie war 22 Jahre alt. Sie wurde im Beisein ihrer Mutter gerichtet. Letztere erhielt die Prügelstrafe und wurde des Landes verwiesen. Der Kopf der Kindesmörderin wurde auf einen Pfahl genagelt, welches, wie der Pfarrer berichtet, grausam anzusehen war, da "sich der Mund noch auf und zu tat. Gott laß diesem einen jeden zur Verwarnung dienen." Am 14. Dezember 1736 wurde ein Mädchen, welches das Dorf Sebexen angezündet hatte, enthauptet, der Leib verbrannt und der Kopf auf einen Pfahl genagelt. Die Brandstifterin war gerade 17 Jahre alt geworden. Der Pfarrer berichtet: "Ich habe sie im Gefängnis im Katechismus unterrichtet und habe sie, die neben mir auf dem Wagen saß, mit Beten begleitet und in Andacht erhalten." Obwohl in Hattorf, wie bereits berichtet, eine ganze Reihe von Morden sich ereigneten, ist merkwürdigerweise nur die Hinrichtung von zwei Dieben bekannt.