3/3
Das waren die Eßkartoffeln, die Angefaulten hingegen wurden als Viehfutter gebraucht. Wohl war zu befürchten, daß sie den Schweinen schaden möchten, aber dieses geschah nicht. Da sie aber nicht mehlreich waren, hatten sie keinen Wert für die Mästung. Man konnte die gekochten Kartoffeln für das Vieh höchstens zwei Tage aufbewahren. Ein Glück war es bei dieser Krankheit, das die September fast ganz trocken war, denn bei nasser Witterung wäre gewiß die ganze Ernte verloren gegangen. Am meisten litten die Holländischen, welche besonders klein blieben. Die sogen. Rothaugen litten unter der Krankheit weniger, die blauen am wenigsten. Diese gefährliche Kartoffelkrankheit fand sich in allen Ländern des Kontinents. Am stärksten trat sie in Irland auf, wo ungezählte Menschen verhungerten."

Die Naturwissenschaftler nannten diese Krankheit Stockfäule, Knollenfäule, Knollenbrand und Trockenfäule. Rechnet man heute Erträge von 100 - 150 Zentner der begehrten Knollen nicht zu den außergewöhnlichen Ernten, so waren damals 30 - 40 Zentner pro Morgen eine normale Ernte. Die Kartoffelernte war damals oft so knapp, daß den Branntweinbrennern die Vergärung der Knollen sehr häufig untersagt werden mußte. Die Kartoffelernte, die heute oft schon in der ersten Septemberwoche ihren Anfang nimmt, begann damals meist erst Anfang Oktober.