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Die Getreideernten

Über den Ausfall dieser Ernten sind wir dank der sorgfältig geführten Chroniken für die erste Hälfte des vorigen Jahrhunderts gut unterrichtet. Gute und sehr gute Ernten gab es eigentlich selten. Sie sind verzeichnet für die Jahre 1795, 1809 und 1810. Über die Ernte 1810 berichtet Klaproth: "Der Rocken schien, als wenn nichts daraus werden sollte, zumal es im Märze, den 26. und 27. die beiden Tage überaus kalt und windig war, daß etliche Halme eine Länge von 4 Ellen (= fast 2 Meter) hatten. Es hat auch gute Frucht gegeben, auch ist die Frucht gut eingekommen. Weil vorher kalte Witterung war, hat man angefangen, das Korn zu schneiden den 7. August." Der Roggen gab in diesem Jahre auf guten Böden im Durchschnitt zwei Malter gesundes Korn. Das waren etwa 480 Pfund. Dieser Ertrag würde heute eine völlige Mißernte bedeuten. Über die Ernte des Jahres 1846/47 berichtet Pastor S. : "Ein trauriges, ja, schreckliches Jahr war das Erntejahr von 1846/47. Der Roggen war mißraten, und er war nur wenig ergiebig. Die Kartoffeln gaben etwa nur die Hälfte von dem, was sie hätten geben können, obwohl die Krankheit an denselben nur unbedeutend war. Obst war fast gar nicht da. Der Flachs, von dessen Verkauf und Verarbeitung man sonst hier das meiste Geld gewinnt, war wegen der Dürre und Hitze ganz mißraten. Die Heuernte war nur mittelmäßig, die Grummeternte schlecht, so daß das Vieh Mangel bevorstand. So war es in dem größten Teile von Europa. Nur in Rußland, besonders in dem südlichen und in Nordamerika, woher auch im Frühjahr Zufuhren kamen, war Überfluß an Getreide. Sogleich nach der Ernte fingen die Fruchtpreise an zu steigen und stiegen immerfort, bis sie im April ihre größte Höhe erreichten. Am 29. April kostete der Himbten (= 20 kg) Roggen 31/2 Taler, die Gerste mehr als 2 Taler, der Himbten Kartoffeln wurde mit 1 Reichstaler gehandelt.