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Die Umstellung in der Ernährungsweise

Noch im ausgehenden Mittelalter war die Versorgung der Bevölkerung mit den nötigsten Nahrungsmitteln das schwierigste Problem. Man rechnete auf den Kopf der Bevölkerung einen Jahresverzehr von 360 Pfund Roggen. Hattorf hatte das Glück, eine verhältnismäßig große Feldflur zu besitzen. Jedoch hatten die Bauern u. a. auch hohe Abgaben an Brotgetreide an den Grundherrn, nämlich an die Domäne in Herzberg, zu liefern. Mißernten waren im Mittelalter viel häufiger als heute. Traten sie ein, dann mußten die Grundnahrungsmittel von weither geholt werden. Das war auch noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts so. H.A.Klaproth berichtet in seiner Chronik wiederholt, daß in Zeiten der Hungersnot Getreide aus der Goldenen Aue (zwischen Nordhausen und Sangerhausen) geholt werden mußte. Nicht selten mußten bei Mißernten die Hattorfer sogar Getreide aus Hann. Münden holen. Es handelte sich in der Hauptsache um Gerste, die aus der russischen Kornkammer am Schwarzen Meer per Schiff nach dort kam. Der Wasserweg war schon damals billiger als der Landtransport, und die Weser war bis in das 19. Jahrhundert hinein der wichtigste Getreidetransportweg für unsere Heimat. Münden war einer der Umschlagplätze, von dem aus das Korn auf Wagen verladen wurde. Der Landtransport auf Pferdefuhrwerken war langsam und teuer und lohnte nur bei kürzeren Entfernungen. Auf weiten Strecken beförderte man nur wertvolle Güter, wie etwa Gewürze und Weine. Mißernten waren sehr häufig in unserer südhannoverschen Landschaft. In trockenen Jahren mußte man mit Mäuseplagen rechnen, gegen die es damals noch keine wirksamen Bekämpfungsmittel gab. In nassen Jahren hingegen war die Schneckenplage ebenso befürchtet. Wenn der Amtmann Lueder im Jahre 1820, als wieder einmal die Zahl der Mäuse überhandnahm, empfahl, in den Feldern tiefe Löcher zu graben, in die die Mäuse hineinfallen sollten, so erwies sich das als ein Fehlschlag. H.A. Klaproth resignierte und meinte: