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Zum Süßen der Speisen wurde bis etwa 1850 ausschließlich der Honig gebraucht. Es gab, wie H. A. Klaproth berichtet, zwar auch schon im Jahre 1800 Rohrzucker zu kaufen. Er war aber unverhältnismäßig teuer und kostete 18 Mariengroschen. Dafür bekam man 5 Pfund schieres Rindfleisch. Das Pfund Zucker würde demnach in heutiger Valuta 25 DM kosten. Die erste Notiz über den Rohrzucker fand der Verfasser im Duderstädter Ratsarchiv. Als der Generalissimus Tilly, der Oberbefehlshaber der kaiserlichen Streitkräfte, in Duderstadt war, gab ihm die Stadt ein Festessen. Als Nachspeise wurde ihm und seinen Offizieren ein Schälchen mit Canary-Zucker gereicht. Das war Rohrzucker, der von den Kanarischen Inseln kam. Sieben Pfund von dieser ungewöhnlichen Leckerei kosteten, wie die Abrechnung ausweist, soviel wie eine ganze Rinderkeule. Die ersten Versuche, aus Rüben Zucker herzustellen, wurden im Jahre 1747 durch den Berliner Professor Markgraf angestellt. Dabei stellte er fest, daß "süßes Salz, nämlich Zucker, in unseren Gegenden bereitet werden kann geradeso wie da, wo das Zuckerrohr wächst". Ein Schüler Markgrafs, der preußische Gelehrte Achard, stellte auf seinem Gut 12 Jahre lang Versuche mit Rüben an. 1799 übersandte er König Friedrich Wilhelm III. kleine Mengen seines ersten Zuckers. der Monarch ordnete daraufhin an, daß auf allen Staatsdomänen umfassende Zuckerrübenbauversuche gemacht werden sollten, und schon im Jahre 1801 baute Achard die erste Zuckerrübenfabrik der Welt. Er selbst hat keinen finanziellen Nutzen davon gehabt. Als seine eigene Fabrik 1810 abbrannte, geriet er in größte Not und starb 1821 arm wie ein Bettler. Während der Kontinentalsperre ordnete Napoleon, der damals den ganzen Kontinent beherrschte, an, sofort 100 000 Morgen Rüben anzubauen und 500 Fabriken zu errichten. Von da an war der Fortschritt der Zuckerfabrikation nicht mehr aufzuhalten.