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Der Rübenzucker erwies sich als ebenso gut wie der Rohrzucker. Darüber hinaus bewirkte die Zuckerrübenkultur eine erheblich verbesserte Bodenkultur, und die Abfallprodukte, nämlich Blätter und Schnitzel, waren ein ausgezeichnetes Viehfutter. Der Zuckersegen hob mehr als manche andere bedeutende Erfindung den Wohlstand in Stadt und Land.

Bevor der Rübenzucker den Rohrzucker verdrängte, war er in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ein rarer Artikel, den die Hausfrau sehr sorgfältig hütete. Als in Hattorf gegen Ende des 2. Weltkrieges eine große Zinnsammlung durchgeführt wurde, bei der ungezählte gebrauchte Schmuckgegenstände aus dem früher so begehrten glänzenden Metall zur Ablieferung kamen, befanden sich darunter auch zwei Zuckerdosen, die sich durch einen kleinen Schlüssel verschließen ließen. Schon im Jahre 1865 wurde die Northeimer Zuckerfabrik errichtet. Die Eisenbahn Northeim - Nordhausen wurde im Dezember 1868 eröffnet. Von da ab lieferten auch die größeren Besitzer in Hattorf, die geeignetes Rübenland besaßen, die Zuckerrüben nach dort. Die ersten Zuckerrübenanbauer waren die Bauer Lohrengel in den Weiden und Wemheuer auf dem Roten. Die deutsche Zuckererfindung hat viele neue Industrien ins Leben gerufen, unzähligen Menschen Arbeit und Brot gebracht und - nicht zuletzt - einen Luxusartikel zu einem wertvollen billigen Nahrungsgut gemacht. Heutzutage, wo die Bundesrepublik auf einem "Zuckerberg" sitzt, kommt keine Mutter mehr auf den Gedanken, ihren Zuckervorrat zu verschließen. Die alten verschließbaren Zuckerdosen sind nur noch Schaustücke in den Museen. Sie erinnern uns gelegentlich daran, daß unser Leben im Sinne des Wortes süßer geworden ist.