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Der Pastor war nicht gut auf sie zu sprechen. Kommen sie endlich nach sieben Jahren los vom Militär, so haben sie keine Lust mehr zur Arbeit, treiben sich lieber im Kruge und auf Tanzmusiken umher und behandeln das Vieh schlecht. Man sieht es ja an Karl Deppe und Julius Brakel!, so klagte er. Aber stolz war doch auch er auf die schmucken Krieger und ihre stattlichen Rosse.

Es war wohl im Jahre 1864, als die Gegend in Aufregung versetzt wurde durch die Nachricht, daß der König nach Herzberg kommen werde. Bald ergingen auch an die Spitzen der Behörden und andere Personen Einladungen zu einem Essen, das er im Hotel Peinemann gab. Von den Geistlichen des Amtes Herzberg wurden die zwei ältesten zur Tafel befohlen: das waren der Onkel in Hattorf und mein Vater. Es war nun ein großes Ereignis, als die Kutsche aus Hattorf kam und der Onkel den Vater nach Herzberg mitnahm. Da hörten die Zurückbleibenden doch auch schon die Flügel der Weltgeschichte rauschen. Im nächsten Jahre war das fünfzigste Jubelfest der Schlacht bei Waterloo, die als der größte Hannoveranersieg galt. Da wurde eine Erinnerungseiche gepflanzt oben auf der kahlen Höhe südlich des Dorfes, wo man den Blick hat auf Pöhlde und den langgestreckten Rotenberg, der die Grenze des Eichsfeldes bildet. Es war aber schon ein ansehnlicher Stamm, der da in das Erdreich gesetzt wurde. Abends bei einbrechender Dunkelheit war die eigentliche Feier. Die Männer zogen mit brennenden Fackeln hinauf auf die Höhe. Die Frauen und Mädchen singend hinterdrein. Hans durfte an der Hand Bruder Gottfrieds mitmarschieren. Von Hörden her kam die Kutsche des Edelhofes, die den alten Gutsbesitzer Laurentius brachte und als Hauptperson der ganzen Feier dessen sechsundachzigjährigen unverheirateten Bruder, den Leutnant, den alten Waterlookämpfer mit seinen Orden.