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Verkehrslage des Dorfes

Hattorf liegt im Herzen des Vaterlandes im Schnittpunkt zweier uralter, hochbedeutsamer Straßen, nämlich der "Nürnberger" und der "Leipziger Straße". Die erstere vermittelte den großen Durchgangsverkehr zwischen dem Mittelmeer und den nordischen Staaten, hatte aber auch im Binnenhandel zwischen dem Norden und dem Süden des Reiches die führende Rolle bis fast in die Mitte des vorigen Jahrhunderts hinein. Von Venedig kommend, überschritt sie auf dem Brenner die Alpen und zog sich von Innsbruck - Augsburg, über Nürnberg, Bamberg, Schmalkalden, Mühlhausen, Duderstadt, Seesen und Braunschweig in fast schnurgerader Richtung nach Hamburg und Lübeck. Unser Kreisgebiet betrat sie bei Gieboldehausen. Dort gabelte sie sich in zwei Arme, von denen der westliche die Spitze des Rotenberges abschnitt, über Wulften und den Dutberg, Dorste, Förste-Nienstedt nach Gittelde führte. Der östliche Strang ging von Gieboldehausen steil über den Rotenberg, überquerte in Hattorf die Oder bei dem Lohrengelschen Dreschschuppen, wo sich auch ein Steg befand. Er führte dann weiter über den jetzigen Schulhof. Zwischen der Schule und dem "Sageloch" befand sich wiederum ein Steg über die Sieber, etwa 50 Meter unterhalb des jetzigen. Diesen alten Siebersteg hat Wilhelm Busch gezeichnet. Durch den Krücker führte unser Weg dann weiter nach Osterode, um sich vor Gittelde mit dem westlichen Strang zu vereinigen. Im Krücker wurden 1887 mehrere römische Münzen aus der Zeit der Kaiser Hadrian und Trajan (etwa 100 n. Chr.) gefunden, ein Beweis für das hohe Alter dieses Weges. Der "Catalogus Mortuorum", das Totenregister unserer Kirchenbücher, berichtet von zahlreichen Unfällen süd- und norddeutscher Kaufleute und Reisender, die sich beim Überschreiten der vor der Errichtung der Odertalsperre so reißenden Oder oft ereigneten.