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Die Vervollkommnung der Ackergeräte setzte im zweiten Viertel des Jahrhunderts ein. Der Pflug erhielt eine eiserne Schar, um dann bald als Räderpflug ganz aus Eisen hergestellt zu werden. Er pflügte mindestens dreimal so tief wie die alten Pflüge. Die Egge wurde verbessert und häufiger benutzt, die Walze neu eingeführt. Die Einführung der Dreschmaschine am Ausgang des Jahrhunderts wird wahrscheinlich von der Jugend am freudigsten begrüßt worden sein. Um 1870 ließ Wilhelm Dehke den ersten Chilesalpeter kommen. Man war mißtrauisch, und Dehke mußte zunächst seinen eigenen Acker damit düngen; staunend stand das Dorf im Sommer dann vor seinem mannshohen Roggen mit den schweren Ähren. Dehke wurde das "Düwelstüg" in Zukunft reißend los. Der Bann war gebrochen, und der Verbrauch an Kunstdünger stieg von Jahr zu Jahr und damit die Ernten. Neben der "Ablösung" im Jahre 1852 ist die Verkoppelung das wichtigste Ereignis. Durch die Ablösung aller auf Grund und Boden und Höfen ruhenden Verpflichtungen und Abgaben wurde der Bauer endlich eigener Herr auf eigener Scholle (Kreditanstalten gewährten die erforderlichen Gelder, die langfristig amortisiert wurden). Bis zur Verkoppelung lagen Höfe von etwa 50 Morgen oft an 70 oder 80 verschiedenen Stellen der Flur, eine Folge der hier Jahrhunderte hindurch üblichen Realteilung. Nunmehr sollte diesem Grundübel, der Zersplitterung des ländlichen Besitzes, endlich gesteuert werden. Die gesamte Feldflur wurde genaustens ausgemessen und bonitiert, d.h., die einzelnen Stücke wurden nach ihrer Güte bestimmt. Die Feldflur, die bis dahin nur einige wenige, in trostlosem Zustand befindlichen Wege besaß, bekam ein neues großartiges Wegenetz. Der gemeinschaftliche Besitz aller, nämlich die Änger und Weiden, wurden aufgeteilt. So erhielten die Höfe trotz der Einrückung des Wegenetzes einen bedeutenden Zuwuchs an Land. Die uralte Dreifelderwirtschaft mit dem Flurzwang verschwindet. Nun konnte jeder auf seinem Acker, ganz gleich, wo er lag, anbauen, was er wollte.