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Der herbeigerufene Wegemeister beorderte sofort zwei Wachen aus Hattorf und Pöhlde, um die Brücke auf beiden Seiten zu sperren. Die Pöhlder waren zuerst zu Stelle. Bei Ihrem Eintreffen war die Brücke bereits in ihrer ganzen Länge geborsten und nur ein Bankett verband noch beide Ufer. Diesen höchst gefährlichen Weg überschritt die Wache, um auf der anderen Seite die Chaussee zu sperren. Dann traten die drei Männer den Rückweg an. Als sie in der Mitte des Banketts waren, brach die Brücke mit Getöse zusammen und riß die Unglücklichen in das reißende Wasser. Zwei Wärtern gelang es, da sie in einen toten Arm der Oder geschleudert wurden, sich an Wurzelwerk zu halten, wo sie von den inzwischen herbeigeeilten Hattorfer Kameraden gerettet wurden. Streckenwärter Ohnesorge aus Pöhlde, der eine Witwe und drei Kinder hinterließ, ertrank, und seine Leiche wurde erst gefunden, als sich das Hochwasser verlaufen hatte.

Schaurig war das Bild, das die Unglücksstätte am anderen Morgen bot. Ein Augenzeuge von damals wußte: "Das noch mit Tannengrün und Girlanden geschmückte Geländer ragte wie ein Grabschmuck aus der Tiefe hervor", so erzählte ein Augenzeuge. Wie mag dem verantwortlichen Baurat damals zumute gewesen sein! Er wird sich selbst nicht freigesprochen haben von der schweren Schuld, obwohl später ein Gericht sie nicht für erwiesen hielt. Die alte Brücke, die etwa 10 m oberhalb der Unglücksbrücke stand, wurde in derselben Nacht ebenfalls zerstört.

Man wird bei dem Neubau der Brücke, die 1902 in Angriff genommen wurde, aus den traurigen Vorgängen gelernt haben. Ein langes Leben indes war auch ihr nicht vergönnt. Beim Herannnahen der Amerikaner wurde sie im Mai 1945 gesprengt und kurze Zeit später durch eine starke Behelfsbrücke ersetzt, bis endlich im Jahr 1960 die jetzige schöne, allen modernen Verkehrserfordernissen entsprechende entstand.