Standort der ehem. „Optischen Anstalt Oigee“ & „HEMAF“

Die Weltwirtschaftskrise trieb in Osterode bis 1932 etwa 30 Betriebe in den Konkurs, weit über 1.000 Arbeitsplätze gingen verloren. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderte sich an dieser Situation zunächst nichts. Erst ab 1935 begann durch Industrieansiedlungen ein wirtschaftlicher Aufschwung. Nach und nach entwickelten sich Stadt und Landkreis Osterode nicht zuletzt wegen ihrer günstigen, vor Luftangriffen recht sicheren, Lage zu einem Standort der kriegswichtigen Industrie.

1936 wurde die „Optische Anstalt Oigee“ aus Berlin, 1942 die „Curt Heber – Maschinen-Apparate-Fabrik HEMAF“ aus Neubrandenburg nach Osterode verlagert.
Beide Firmen setzten während des Krieges Zwangsarbeiter ein. An die Barackenlager, in denen die Zwangsarbeiter untergebracht wurden, erinnert nichts mehr im heutigen Stadtbild.
Oigee unterhielt ein Lager hinter dem Freiheiter Schützenplatz („Altes Russenlager I“). Für Heber wurde 1944 ein eigenes Außenlager des KZ Buchenwald eingerichtet (Lager West „Russenlager II“). Ebenfalls zu Heber gehörte das „Barackenlager Ost“ zwischen der Baumhofstraße und Am Branntweinstein.


Lageplan Firmen OIGEE und HEMAF

Insgesamt gab es in und um Osterode etwa 30 Lager, in denen Fremdarbeiter lebten. Mitte 1944 waren die Hälfte davon Frauen.
Zusätzlich bestand seit Oktober 1944 das Projekt „Dachs IV“ in Osterode. Das Projekt hatte zum Ziel, eine Raffinerie der Shell-Rhenania-Ossag aus Hamburg unterirdisch im Gipssteinbruch der Firma „Harzer Gipswerke Robert Schimpf Soehne“ aufzubauen. Hier arbeiteten Dienstverpflichtete Deutsche, Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge aus dem KZ Mittelbau-Dora. Das Projekt wurde nicht fertig gestellt.
Ab Mitte März 1945 wurden die Konzentrationslager im Harz evakuiert. Das KZ im Lager „Dachs IV“ wurde am 21. März geräumt, das KZ bei Heber Anfang April. Die SS evakuierte die Konzentrationslager planmäßig und trieb die Häftlinge auf Todesmärschen vor den heranrückenden alliierten Truppen her. Sie sollten den Alliierten nicht in die Hände fallen, man wollte ihre Arbeitskraft bis zuletzt zur Verfügung halten und ausbeuten. Wer den Marsch nicht durchhielt, wurde liquidiert.
Am 7. April traf auf dem Osteroder Bahnhof ein Zug mit ca. 4.000 KZ-Häftlingen aus dem KZ Mittelbau-Dora (Nordhausen) ein, der wegen der Schäden durch die Bombardierung des Bahnhofes nicht weiterfahren konnte. Die SS entschied, dass die kräftigeren Häftlinge am nächsten Tag zu Fuß nach Clausthal weiter marschieren sollten. Als einige Häftlinge versuchten, mit Wasser aus einem Graben ihren Durst zu löschen, brachte die SS 31 von ihnen um. Am folgenden Tag begaben sich 3.500 Häftlinge des Transport auf den Todesmarsch Richtung Clausthal, über 400 kranke Gefangene blieben in Osterode zurück.
Wie viele der in Osterode eingesetzten Zwangsarbeiter starben, ist nicht bekannt. Im Stadtgebiet sind Spuren der Lager kaum noch und die Leidens ihrer Häftlinge nicht mehr sichtbar. Baracken, heute zu Wohn- bzw. Betriebsgebäuden umgebaut, finden sich noch am Sportplatz (Alte Northeimer Straße), in der Baumhofstraße und Am Branntweinstein.


Luftbild OIGEE / HEMAF mit Barackenlager

An die Ereignisse des 7./8. April erinnert inzwischen ein Gedenkstein am Kaiserteich, der auf Initiative der seit 1979 bestehenden „Arbeitsgemeinschaft Spurensuche in der Südharzregion (ArGe Spuren)“ aufgestellt wurde.

Quelle: „Terror unterm Hakenkreuz – Orte des Erinnerns in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt“

GPS-Koordinaten
51.7357° E 10.265171°