Das KZ-Außenlager Ellrich-Juliushütte

Das KZ Ellrich-Juliushütte wurde Anfang Mai 1944 als Außenlager des KZ Buchenwald errichtet. Südlich der Stadt Ellrich in direkter Bahnhofsnähe wurden zunächst die Gebäude einer alten Gipsfabrik als Unterkünfte genutzt. In den folgenden Monaten kamen weitere Gebäude hinzu.

Von Anfang an bestanden engere Verbindungen zum nahegelegenen KZ Dora, das ebenfalls ein Außenlager von Buchenwald war. Die Südharzer Außenlager wurden im Oktober 1944 zum eigenständigen KZ „Mittelbau“ zusammengefasst. Zu diesem KZ gehörten auch das nun als Hauptlager fungierende Lager Dora („Mittelbau I“) und das Lager Ellrich-Juliushütte („Mittelbau II“), das fortan mit bis zu 8000 Insassen das größte Außenlager Mittelbaus war.

Die meisten Häftlinge waren auf Baustellen verschiedener Untertageverlagerungsprojekte der deutschen Luftrüstung eingesetzt, so z.B. im Stollenvortrieb im Himmelsberg bei Woffleben, im Mühlberg bei Appenrode, im Kohnstein bei Niedersachswerfen und im Kammerforst bei Ellrich. Wieder andere Häftlinge wurden bei Infrastrukturarbeiten eingesetzt oder mussten in lokalen Unternehmen arbeiten.

Zwischen den ca. 40 Lagern des Mittelbau-Komplexes entwickelte sich im Laufe der Zeit ein vielschichtiges hierarchisches Gefüge, in dem das Außenlager Ellrich-Juliushütte einen besonderen Platz einnahm. Vor allem das Hauptlager schob erschöpfte und unqualifizierte Häftlinge, die für den Einsatz in der V-Waffenproduktion nicht mehr geeignet erschienen, nach Ellrich-Juliushütte ab. Hier sollten sich die bereits völlig entkräfteten Häftlinge, die durch ihre schwindende Arbeitskraft für die SS immer bedeutungsloser wurden, bei kräftezehrenden Baumaßnahmen buchstäblich zu Tode schuften.

Aus diesem Grund waren die (Über-)Lebensbedingungen in Ellrich noch schlechter als in anderen Mittelbau-Lagern. Durch die scheinbar unbegrenzte Ersetzbarkeit der „Bauhäftlinge“ sah sich die SS nicht genötigt, diese Verhältnisse zu verbessern. So war z.B. die Versorgung mit Nahrung und Kleidung absolut unzureichend. Im Winter 1944/45 gab es zeitweise kein Brot, und 2000 Häftlinge waren wochenlang unbekleidet.

Diese katastrophalen Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie die Nutzung als Abschiebelager für entkräftete Häftlinge hatten zur Folge, dass jeder zweite starb. Im KZ Komplex Mittelbau war dies die höchste Todesrate.

Nach dem Kriegsende wurde das Gelände durch die innerdeutsche Grenze geteilt. Im Zuge der Grenzsicherung wurden fast alle erhalten gebliebenen Baulichkeiten des Lagers nach 1952 eingeebnet. Trotzdem sind noch zahlreiche Fundamente und Grundmauern zu erkennen.


 

Das „Jugend für Dora“ Projekt

Ausgangspunkt der „Jugend für Dora“ Aktivitäten am Ort des ehemaligen Konzentrationslagers Ellrich-Juliushütte bildete das 3. Internationale Workcamp des Vereins im Sommer 1998. Während der zwei Wochen wurden das Fundament einer Unterkunftsbaracke und eines Wachsturms freigelegt. In der Nachbereitung und Dokumentation des Camps entstand der Wunsch eine Beschilderungskonzeption für das Gelände zu entwickeln.

An verschiedenen Wochenendtreffen des Vereins wurde das Vorhaben genauer konkretisiert und Schritt für Schritt umgesetzt. Neben der theoretischen Auseinandersetzung mit Archivmaterialien nutzten wir die Chance, Überlebende zu befragen oder uns anhand ihrer Berichte der Geschichte des Ortes anzunähern. Pflegearbeiten führten uns immer wieder ins Gelände zurück. Im Rahmen eines Wochenendtreffens des Vereins konnten im Sommer 1999 die ersten zwei Informationsschilder zur Geschichte des Lagers und speziell zum Krematorium aufgerichtet werden. Kontinuierlich entstanden weitere Texte und Aufsteller zum Alltag der Häftlinge sowie zu den Ergebnissen des Workcamps an einem freigelegten Fundament.

Mit finanzieller Unterstützung der EU wurde ein nächster Schritt zu Ausgestaltung des Gedenkortes getan Weitere 6 Informationsschilder und ein Faltblatt konnten dreisprachig gestaltet sowie drei Bänke für Besucher installiert werden. Nach intensiver Einarbeitung und Auseinandersetzung mit der Thematik entstanden Texte zu den folgenden Themen: die Stellung des Lagers Ellrich im KZ Komplex, die Bewachung des KZ, der Arbeitseinsatz der Häftlinge, zum Fundament des ehemaligen Küchengebäudes sowie zur „Doppelten Geschichte“ des Ortes. Daneben widmeten wir einen weiteren Aufsteller dem zweiten Lager „Bürgergarten“ in der Stadt Ellrich. Parallel dazu wurde das Informationsblatt erstellt. Zur besseren Ausstattung des Geländes wurde mit Hilfe der Stadt Ellrich der Rundweg über das ehemalige Lagergelände erneuert sowie mit einem Geländer ausgestattet.

Mit diesem Projekt ist es uns im Laufe der Zeit gelungen die Geschichte des Konzentrationslagers Ellrich-Juliushütte aus seiner Verschwiegenheit herauszuholen. Dabei soll es aber nicht bleiben.
Eine kontinuierliche Pflege bleibt notwendig und weitere Formen der Auseinandersetzung mit der Geschichte des Lagers zeigen sich z.B. in der bereits im Sommer 2000 erschienenen Broschüre über die Arbeit des Vereins oder eine dokumentarische Lesung von Erlebnisberichten Überlebender vor Ort.

 

Chronik

01.05.1944Gründung des KZ Ellrich-Juliushütte mit 200 Häftlingen als Außenlager von Buchenwald
31.08.1944die Lagerstärke steigt auf über 6000 Häftlinge an
Oktober 1944unter der Bezeichnung Mittelbau II wird das Lager dem eigenständig gewordenen Konzentrationslager Mittelbau mit Hauptlager Dora (Mittelbau I) zugeordnet
Beginn des Winters
1944/ 45
Der Mangel an Häftlingskleidung wird immer spürbarer.
Zeitweise sind bis zu 2000 Häftlinge unbekleidet.
Januar 1945Eintreffende Transporte aus den Lagern Auschwitz und Groß-Rosen lassen die Lagerstärke auf über 8000 Häftlinge ansteigen.
März 1945Das im südlichen Teil des Lagers erbaute Krematorium wird in Benutzung genommen.
04./05.04. 1945„Evakuierung“ des Lagers mit Eisenbahnzügen nach Bergen-Belsen und Sachsenhausen.
12.04.1945Truppen der US-Army besetzen die Stadt Ellrich.
26.05.1952Im Rahmen der Grenzbefestigung wird ein erster durchgehend gezogener Stacheldrahtzaun durch das ehemalige Lagergelände gezogen. In der Folgezeit werden auf DDR-Seite die baulichen Reste des Lagers schrittweise eingeebnet.
Juni 1964Auf niedersächsischer Seite werden die baulichen Überreste des Lagers, darunter das ehemalige Krematorium, durch den Bundesgrenzschutz gesprengt.
1980er JahreGeschichtsinitiativen in Walkenried und Ellrich (unter Anleitung eines Lehrers werden Befragungen von Zeitzeugen durchgeführt) wenden sich der Erforschung der Lagergeschichte zu.
November 1989Einweihung des Gedenksteines am Ort des Krematoriums.
Anfang 1990 JahreAnlage eines Rundweges über das Gelände durch eine ABM der KZGedenkstätte Mittelbau-Dora.
Juni 1994Einweihung eines zweiten Gedenksteines, der von der belgischen Stadt Loewen gestiftet wurde, in Nähe des ehemaligen Lagereinganges.
Frühjahr 1998Ausweisung des thüringischen Geländeteils als Kulturdenkmal.
August 1998Internationales Sommerworkcamp von „Jugend für Dora“, dabei werden zwei Fundamente (Baracke und Wachturm) freigelegt sowie Pflegearbeiten durchgeführt, Überlebende des Lagers sind zu Gast.
1998 bis 2001„Jugend für Dora“ dokumentiert die Arbeiten in einer Broschüre, übernimmt den Ort als Pflegeprojekt, errichtet Informationsschilder sowie Bänke und erstellt ein Informationsblatt; auf Anregung des Vereins befestigt die Stadt Ellrich den Rundweg und stattet ihn mit einem neuen Geländer aus.

Seit 1998 verschiedene private Initiativen widmen sich ebenfalls dem Gedenkort

Informationen

Jugend für Dora e.V.
c/o KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora
Kohnsteinweg 20
99734 Nordhausen

KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora
Kohnsteinweg 20
99727 Nordhausen
Tel. 0 36 31/ 49 58 20
Fax. 0 36 31/ 49 58 13
E-mail: Gedenkstaette.mittelbau-dora@t-online.de
Internet: http://www.dora.de

Arbeitsgemeinschaft Spurensuche in der Südharzregion
Ansprechpartner: Firouz Vladi, Osterode
Dr. Jens Wagner, Weimar

Führungen nach vorheriger Absprache unter 03631/ 495822