Die Dorfkirche zu Lerbach

Die Kirche wurde 1728 erbaut und hatte 265 Sitzplätze.
Erster Prediger war J. G. Ellisen.
[Es] folgten 21 Pastoren bis zum 275 jährigen Jubiläum der Kirchengemeinde im Jahr 2003.
1784 wurde das Gebäude vergrößert, die Sitzplätze auf 353 erhöht, der Umbau kostete 1000 Taler.
Erst 1823 erhielt die Kirche diese Größe.


Der Ort Lerbach bekam im April 1974 unter großer Beteiligung der Bevölkerung zwei neue Glocken

- von Rainer Kutscher -


Vom Glockenturm am Berghang klingen seit 1837 die Glocken
Fotos: Rainer Kutscher

Bei strahlendem Frühlingswetter fand am ersten Sonnabend im April 1974 unter großer Beteiligung der Bevölkerung von Lerbach die feierliche Einholung der neuen Kirchenglocken statt.

Nachdem die beiden schweren Bronzeglocken im Schafmeistertal in Empfang genommen wurden, setzte sich um 15.30 Uhr der Zug in Richtung Ortsmitte in Bewegung. Dem mit den festlich geschmückten Glocken beladenen, im Schritttempo fahrenden LKW von Gerhard Schubert folgte ein zweiter mit dem Lerbacher Posaunenchor unter der Leitung von Ernst Heine.

Neben dem gesamten Kirchenvorstand hatten sich viele Gemeindemitglieder dem Umzug angeschlossen, und der Straßenrand war von Zuschauern gesäumt. Zunächst ging die Fahrt am Glockenturm und der Kirche vorbei bis zum Hotel Glück Auf, um Lerbachs ältestem Einwohner, dem damals 95-jährigen Wilhelm Schotte, Gelegenheit zu geben, dieses große Ereignis mitzuerleben. Als man kurz nach 16 Uhr am Glockenturm eintraf, warteten bereits Hunderte von Menschen. Nach dem Eingangslied des MGV Germania sprach Pastor Walter Stapelfeldt die Gruß- und Segensworte.

Es herrschte andächtige Stille, als Pastor Stapelfeldt einen Rückblick in die vergangenen Zeiten gab und damit die alten Glocken, deren Geläut 51 Jahre hindurch bei freudigen und traurigen Anlässen erklungen war, verabschiedete.

Die älteste Eintragung bezieht sich auf eine 150 kg schwere Bronzeglocke, die anno 1812 erwähnt wurde. Diese Glocke war wohl seinerzeit gesprungen, und, wie aus den Akten hervorgeht, war Neugießen der einzige Ausweg, weil eine Neuanschaffung aus Kostengründen nicht infrage kam. Es war nicht einmal eine Kollekte möglich „in dem Ort, in dem die Dürftigkeit ihren Sitz hat“, wie ein Schreiben einer auswärtigen Behörde aus der damaligen „Franzosenzeit“ besagt.

Fünfzig Jahre nach jenen Jahren von Pastor Klinge wurden 1864/65 zwei neue Bronzeglocken angeschafft, die unter anderem die Namen von Pastor Niemann, Kantor Woge und Gemeindevorsteher Ludwig Kratsch in ihrer Inschrift trugen.

Wieder 50 Jahre später musste im Weltkrieg 1917 eine Glocke für Rüstungszwecke abgeliefert werden. Aus Versehen holte man die kleinere ab. Die größere, 475 kg schwere Bronzeglocke wurde 1923 an eine Gießerei in Hildesheim verkauft.

Aus dem Erlös konnten dann die beiden „Eisenhartgussglocken“, die damals aus dem eisernen Schrott des unseligen Krieges gegossen wurden, angeschafft werden. Die Lebensdauer dieser Glocken hatte man auf ca. 25 Jahre beziffert, sie haben aber doppelt so lange gehalten. Diese Glocken erhielten einen würdigen Ehrenplatz neben der Kirche (die große Glocke) und auf dem alten Friedhof die kleinere Glocke, welche witterungsbeständig behandelt wird.


Die große Stahlglocke mit der Inschrift: „O Land, Land, höre des Herrn Worte“

Nach den Segensworten von Pastor Stapelfeldt und einem gemeinsamen Gebet sang der MGV Concordia das Chorlied: „Es mag sein, dass alles fällt...“.

Die Sänger hatten auf Wunsch vieler älterer Mitglieder des Vereins denselben Platz hoch am Wiesenhang eingenommen, wo ihre Väter und Großväter (viele waren auch selber mit dabei gewesen) im Jahr 1923 gestanden hatten.

Nach der Gedenkfeier begann die harte Arbeit von Schlossermeister Gröhnke und seinen Männern, welche die schweren Glocken mittels Seilwinde über eine extra dafür gefertigte Holzrutsche den fast zwanzig Meter hohen felsigen Steilhang hinaufzogen. Bereits in der Woche davor wurden nach zweitägiger anstrengender Demontagearbeit die beiden 22 und 12 Zentner schweren Gussstahlglocken über die Felswand hinabgelassen. Man konnte von Glück reden, dass die Glocken wegen akuter Sprunggefahr des spröden Metalls bei ihrem letzten Weg nicht zu Bruch gingen.

Der Lerbacher Karl Aderholdt, der im April 1923 mitgeholfen hatte, die in Bockenem gegossenen Stahlglocken in den Turm zu bringen, war als 70-jähriger 1974 dabei, als die Männer der Firma Blume aus Holle bei Hildesheim (Spezialwerkstatt für Glockenläute-Technik) die Glocken von ihren Halterungen lösten.

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