Die Schlosskirche St. Jakobi zu Osterode

Wo heute der imposante Bau der Schlosskirche steht, befand sich bereits im 12. Jahrhundert eine Kapelle. Diese Annahme wurde durch Ausgrabungen bestätigt. Ganz in der Nähe befand sich wohl auch der älteste Marktplatz von Osterode.

Umfangreiche Umbaumaßnahmen im Jahr 1751 gaben der Jacobikirche ihr heutiges Aussehen. Damals wurde die alte Nordmauer abgebrochen und an ihrer Stelle eine neue, zwei Meter in Richtung Norden versetzte Wand errichtet. Der Chorschluss wurde durch eine Fachwerkwand abgetrennt, der Turm über der Seitenkapelle abgebrochen. Durch diese Maßnahmen sind heute nur noch der Turm im Nordflügel (mit dem Kirchenschiff), sowie der Südflügel mit dem Amtsgericht erhalten geblieben. Außerdem erhielt die Kirche ein in Holz konstruiertes und dann verputztes Tonnengewölbe, das in den folgenden Jahrhunderten immer wieder für statische Probleme sorgte. Man versuchte die Kräfte, die zu einem Ausweichen der Außenwände führen können, durch den Einzug von Ankern und den Bau von Strebepfeilern zu bändigen.


Merianstich der St. Jacobi-Schlosskirche aus der Mitte des 17. Jahrhunderts

Bereits 1951 und 1975/1976 mussten umfangreiche Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen am Kirchengebäude durchgeführt werden. Dabei wurden die Grundmauern der alten Marktkirche freigelegt, die die Bewohnerinnen des damaligen Frauenkonvents der Zisterzienser (erstmals bekundet 1233) für ihre Gottesdienste nutzten. Als mit der Gründung der Neustadt 1238 die Klosterkirche auch als Pfarrkirche für die Bewohner des neuen Stadtteils dienen sollte, wurde eine Erweiterung des Kirchenbaus erforderlich.

Nach der Reformation und der Aufhebung des Klosters ließ Herzog Ernst II. von Braunschweig-Grubenhagen das Klostergebäude in den Jahren 1558 bis 1561 zum landesherrlichen Schloss umbauen.1894 wurde der Ostflügel,1898 der Westflügel des Schlosses abgebrochen. Die Kirche wurde als Schlosskirche und evangelische Pfarrkirche weitergenutzt.

Im Innern kann man den besonders sehenswerten Altar, eine Engelhard Orgel, ein berühmtes Epitaph von Peter Hartzing und das romanische Taufbecken bestaunen. Im oberen Teil des Kirchturms von außen nicht sichtbar wurde 2009 in 21 m Höhe eine Mobilfunkantenne errichtet.


Dr. J. G. Fr. Renner schrieb in seinem Werk "Historisch-, topographisch- statistische Nachrichten und Notizen von der Stadt Osterode am Harze" im Jahr 1832 über die Entstehung der Jakobikirche:

"Die St. Jakobi- oder Schloßkirche ist aus dem ehemaligen Kloster Brunsrode entstanden, das mit Nonnen vom Orden der Zisterzienserinnen besetzt war. Der Herzog Ernst II. (ein Sohn Philipp's I. oder des Älteren) ließ in diesem Kloster i. J. 1558 den katholischen Kultus (Gottesverehrung) abschaffen, und in der dabei befindlichen, dem heiligen Jakobus geweihten Kirche die lutherische Lehre einführen. Die Nonnen wurden aber nicht verstoßen; nahe bei der Kirche wurde ihnen ein besonderes Haus aufgebaut, worin sie lebenslang einen anständigen Unterhalt erhielten. Das Kloster selbst aber ließ der Herzog Ernst II. i. J. 1561 zu einem fürstlichen Schlosse einrichten, worin er die meiste Zeit Hof hielt. So lange die grubenhagischen Fürsten hier residirten, war die Jakobikirche die Hof- oder Schloßkirche, und jetzt noch wird sie insgemein die Schloßkirche genannt. Im J. 1751 erbaute man sie neu, ganz von Steinen, in einem einfachen, guten Geschmack, ohne Pfeiler; gegen die Länge ist sie jedoch etwas zu schmal. Am 22. Oktober 1752 wurde sie durch den damaligen Superintendenten, Heinrich Borkenstein, eingeweiht.
Am 9. April 1810 fiel in der Schloßkirche ein der Familie von Minnigerode zugehöriges, über 160 Jahre altes Grabgewölbe ein. Durch diesen Einsturz kamen mehre Särge zum Vorschein, in welchen sich verschiedene Kostbarkeiten, als goldene Ringe, goldene Armketten, goldene Hemdeknöpfchen, goldene Schnallen, goldene Tuchnadeln ec. befanden. Die Familie von Minnigerode wurde von dem Einsturze ihres Gewölbes sogleich in Kenntniß gesetzt, und durch schriftliche Erklärung des Herrn Ludwig von Minnigerode zu Wollershausen für sich und die übrigen Mitglieder der Familie wurden die in den Sargen enthaltenen Kostbarkeiten, so wie die sonstigen brauchbaren Gegenstände, als Zinn und Eisen, der Jakobikirche zu freier Disposizion und zur Verwandlung in ihren Nutzen unter der Bedingung gänzlich überlassen, daß die Familie von Minnigerode von der Pflicht zu den Kosten der Reparatur, welche durch den Einsturz des Gewölbes in der Jakobikirche veranlaßt werden würden, frei sein und bleiben wolle. Man ging diese Bedingung ein. Die gefundenen Kostbarkeiten, so wie 15 81 Zinn nebst 10 36 Eisen wurden nun öffentlich und meistbietend verkauft, wodurch man die Summe von 387 , 6 und 4 erhielt. Die sämmtlichen Kosten, welche die Reparatur des Gewölbes verursachte, beliefen sich auf 86 33 6 , so daß die Jakobikirche auf diese Weise mit 300 8 6 bereichert wurde. Im J. 1819 wurden in der Schloßkirche, nach dem Wunsche Seiner königlichen Hoheit des Herzogs Wilhelm von Clarence, die Gewölbe eröffnet, um Gewißheit zu erhalten, ob fürstliche Personen von der grubenhagischen Linie darin ihre Ruhestätte gefunden hätten, und deren Epitaphien und Monumente genau kennen zu lernen. Es wurden beim Nachsuchen zwar Särge gefunden, aber keine von fürstlichen Personen. Bei diesem Nachsuchen, welches unter der Oberaufsicht des damaligen Superintendenten und Predigers an der St. Jakobikirche, Herrn J. F. H. Effler, (jetzt Superintendent und Hauptpastor in Nienburg) stattfand, haben sich keine Kostbarkeiten gefunden, und noch weniger ist darnach gesucht, oder die Asche der Verstorbenen irgend gestört worden. Die durch das Aufgraben der Gewölbe verursachten Kosten für den Maurer und Tischler hat das Ärarium der Schloßkirche bezahlt.
Diese Kirche besitzt (i. J. 1832) ein Vermögen von 3280 in Golde und 325 in Kassenmünze. Beide Kapitalien stehen zu 5 Prozent ausgeliehen. Außerdem hat sie das 1000 starke Legat von Tuckermann und Dieterich, welches an die herzogliche Kammer in Braunschweig auf ewige Zeiten zu 3 Prozent ausgeliehen sind. Die Zinsen von diesem Vermächtnisse beziehen der jedesmalige Schloßprediger und Schloßkantor nebst den Lehrern der Stadtschule.
Die Schloßkirche besitzt ferner 28 Morgen und 90 Ruthen Ackerland (in der Feldmark der Stadt), 12 Morgen und 80 Ruthen Wiesen, 2 Gärten, zusammen 29 Ruthen enthaltend.
Bei der Schloß- oder St. Jakobikirche befindet sich auch eine Armenkasse. Sie steht unter der Oberaufsicht der beiden königlichen Kirchenkommissarien, und hatte i. J. 1831 folgende Kapitalien ausgeliehen: 3330 in Golde; 105 in Kassenmünze und 30 in Konvenzionsmünze. Der jedesmalige Rechnungsführer der St. Jakobikirche ist zugleich Rechnungsführer dieser Armenkasse, welche auch noch einen kleinen Garten, 18 Ruthen groß, besitzt.
An der St. Jakobikirche steht gegenwärtig als Pastor (und Superintendent) Herr K. Ch. Dan. Baurschmidt, und als Pastor Adjunktus Herr G. Baurschmidt. Der jedesmalige Pastor an der Marienkirche ist immer Kapellan an der St. Jakobikirche, und hat als Solcher an den hohen Festen die Nachmittagspredigt und alle 14 Tage Kinderlehre zu halten, auch bei der Kommunion zu assistiren. Kantor und Organist an dieser Kirche ist jetzt Herr F. W. Brakhage, zugleich auch Lehrer an dieser Parochialschule. Diese Stellen besetzt das königliche Konsistorium in Hannover. Der gegenwärtige Rechnungsführer dieser Kirche ist Herr J. U. Henkel, und die Kirchenvorsteher sind: 1. Joh. Wilh. Habenicht, 2. Heinr. Aug. Müller, 3. J. Christ. Meyer und 4. J. Ludolf Vollmer.
Mit dem Pastorate der St. Jakobikirche ist zugleich eine geistliche Inspekzion oder Superintendentur verbunden. Zu dieser Superintendentur gehört die hiesige Marienvorstadt, die Pfarrdörfer Eisdorf, Nienstedt, Dorste, Schwiegershausen, Hattdorf und Elbingerode."

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