Die St. Marien-Kirche zu Osterode


1233 wurde die St. Marien-Kirche erstmals urkundlich erwähnt. Sie lag damals noch außerhalb des von einer Mauer umringten Stadtbereichs in der sog. Marienvorstadt. Diesen Charakter einer alten Dorfkirche mit Fachwerkelementen erkennt man noch heute. Im Inneren beeindruckt sie mit einem historischen Schnitzaltar aus dem Jahre 1517.


Dr. J. G. Fr. Renner schrieb in seinem Werk "Historisch-, topographisch- statistische Nachrichten und Notizen von der Stadt Osterode am Harze" im Jahr 1832 über die Marienkirche:

"Über die Entstehung dieser Kirche läßt sich nichts ausmitteln. Sie muß jedoch sehr alt sein, da die Marienvorstadt von ihr den Namen führt. Nach Wendt's Erzählung war sie mit dem Kloster zu Katlenburg vereinigt; doch wird nicht bemerkt, wie man sich eigentlich diese Vereinigung zu denken habe. Im J. 1328, zu welcher Zeit diese Kirche schon zu Katlenburg gehörte, hat Papst Johann III. durch den Erzbischof zu Zweibrücken, Bartholomäus, Diejenigen, welche diese Kirche besuchen würden, Ablaß ertheilt. Späterhin, i. J. 1507, that dies der Erzbischof Johann von Mainz. Die Herren von Minnigerode verkauften ihr 1333 einige Güter. Bald nachher (genau läßt sich das Jahr nicht angeben) brannte diese Kirche ab, wurde aber 1430 wieder aufgebaut. Zu der Pfarre gehörte ein Meierhof, dessen Einkünfte dem zeitigen Pfarrer zustanden. Da die Meier dem Pfarrer Dietrich von Einem den in Hahnen und Eiern bestehenden Zehnten nicht geben wollten; so zog er von hier fort, und wurde in Schwiegershausen Prediger.
Nach dem Abgange des Pfarrers Dietrich von Einem stand die Kirche leer, und fiel 1554 ein. Es muß folglich der Bau von 1430 sehr schlecht gewesen sein. Der zu dieser Kirche gehörende Meierhof wurde an den Berghauptmann Sigismund Quast verkauft, und von dessen Erben erkaufte ihn Jobst von Berkefeld, welcher ihn i. J. 1670 von neuem aufbauen ließ. Dieser Hof hieß Marienhof und auch Papenmeierhof.
Mit Jobst von Berkefeld wurde nun wegen der Kirchengüter ein Prozeß geführt. Dieser dauerte eine geraume Zeit, und da während desselben die Kirche desolat wurde; so verglich man sich 1653 dahin, daß die Gebrüder Jobst, Rudolf und Heinrich von Berkefeld 2000 Kapital zu zahlen, und 2 Morgen Landes abzutreten versprachen. Nun konnte wieder ein Prediger angestellt werden, welcher die Zinsen von den 2000 , also 100 , ferner noch die Zinsen von einem Kapital von 500 , welches der Landesherr geschenkt hatte, und 12 Klaftern Holz erhielt. Die Kirche wurde nun von neuem reparirt, ein eigenes Pfarrhaus erbauet, dabei ein Garten angelegt, und 1659 Andreas Hagemann zum Prediger ernannt. Diese Kirche hat ihren eigenen Fried- oder Kirchhof.
Die Orgel in der Marienkirche soll i. J. 1678 eingerichtet worden sein. Im J. 1801 wurde sie reparirt und mit einem Pedale versehen. Ein Mitglied dieser Kirchgemeinde, der Färber Fischebeck, welcher kinderlos und ein Wittwer war, schenkte dazu 100 , und außerdem brachte der damalige Kirchenvorsteher und Rechnungsführer, Christof Levin, durch eine in der Gemeinde angestellte Kollekte, wozu er selbst reichlich beisteuerte, noch 60 zusammen.
Im J. 1819 drohte der Thurm der Marienkirche den Einsturz. Er wurde daher reparirt. Das dazu erforderliche Geld kam durch eine Kollekte in der Kirchgemeinde zusammen, zu welcher der durch seinen Wohlthätigkeitssinn bekannte Berghandlungsoberfaktor, Johann Friedrich Schachtrupp ( † i. J. 1822), nicht nur einen sehr ansehnlichen Theil beitrug, sondern auch das Blei zur Bedachung des ganzen Thurmes unentgeldlich lieferte. Im Monat April 1819 wurde der 20 Zoll im Durchmesser haltende kupferne, vom Maler Dölle vergoldete Knopf und die vom Schlossermeister J. Helling neu gemachte Fahne an der 4 Fuß hohen Stange von dem Dachdeckermeister J. Fr. W. Grönig aufgesetzt.
Die Marienkirche besitzt kein Vermögen; sie erhebt nur einen Erbzins von einigen kleinen Gärten, der jährlich höchstens 3 einbringt. Eine Einnahme von 8 bis 10 erhält sie alljährlich durch das Verleihen der Leichentücher bei Beerdigungen. Wegen Mangel an Vermögen wollte der Magistrat diese Kirche im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts eingehen und sie mit der St. Egidienkirche vereinigen lassen. Zu dem Ende blieb die vakant gewordene Predigerstelle 2 Jahre unbesetzt. Da aber der Magistrat mit der Gemeinde wegen einiger Punkte nicht in's Reine kommen konnte, so blieb es beim Alten, und es wurde wieder ein besonderer Pastor angestellt.
Gegenwärtig, i. J. 1832, steht Herr Friedrich Seidel als Pastor an der St. Marienkirche (zugleich Kapellan an der St. Jakobikirche) und Herr G. Fr. Koch ist an derselben Organist und Lehrer der Parochialschule. Kirchenvorsteher sind: der Sattlermeister Herr Salomo Vollmer und der Bäckermeister Herr Wilhelm Habenicht."

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