Klärschlamm-Vererdungsanlage
nach dem EKO-PLANT st-Verfahren

Südlich der Ortschaft Förste betreiben die Samtgemeindewerke
der Samtgemeinde Bad Grund eine Klärschlamm-Vererdungsanlage

Klärschlamm ist ein kostenintensiver Reststoff in Kläranlagen. Diese Anlage erzeugt aus dem flüssigen Klärschlamm der Abwasserreinigungsanlage Förste ein hochwertiges Erdsubstrat, das mit Humus vergleichbar ist.
Das EKO-PLANT st-Verfahren arbeitet auf natürliche Weise durch das Zusammenspiel von Schilf und Mikroorganismen und kommt dabei ohne Chemie aus. Es ist umweltfreundlich und im Vergleich zu anderen Klärschlammbehandlungsverfahren besonders wirtschaftlich.
Der Klärschlamm wird automatisch auf die Vererdungsbeete gepumpt. Das Schilf in den Beeten entzieht dem Klärschlamm das Wasser. In den Beeten verbleibt ein erdiges Substrat, aus dem durch biologische Umsetzungsprozesse hochwertige Klärschlammerde reift.

*1 direkte Verwertung oder Nachlagerung*2 abhängig vom TS-Gehalt des Nassschlamms*3 TS-Gehalt bei optimaler Nachlagerung

Die Klärschlammerde wird nach 6 bis 8 Jahren mit einem Bagger aus dem Vererdungsbeet geräumt und kann problemlos verwertet werden. Beispiele für die Verwertung von Klärschlammerde sind der Einsatz als Pflanzsubstrat im Garten- und Landschaftsbau, als Erdsubstrat zur Rekultivierung (z.B. einer Mülldeponie), zur Verwendung in der Landwirtschaft oder als Energielieferant bei der Verbrennung.

Technische Daten

    Größe der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Förste:
    • 18.000 EW-Gleichwerte
    • 27.000 Kubikmeter
    • jährl. Klärschlammmenge, entspricht 400 Tonnen Trockensubstanz


    Größe der Klärschlammvererdungsanlage:

    • 4 Beete a 3.000 m²
    • 42.500 Schilfpflanzen
    • 18.700 m² Gesamtanlagenfläche
    • Automatische Filtratwasserrückführung zur Abwasserreinigungsanlage Förste
    • Erwartete Kosteneinsparung: 61.000 Euro/Jahr
weitere Informationen: www.eko-plant.de


GPS-Koordinaten
N 51.7276° E 10.1602°


HarzKurier: 02. August 2011

Vererdung des Klärschlamms funktioniert

Werksausschuss besah sich die Abwasserreinigungsanlage

- von Petra Bordfeld -

Auf der Abwasserreinigungsanlage der Samtgemeinde Bad Grund (ARA) in Förste sind die 7 000 Kubikmeter fassenden vier Beete geräumt worden. Damit ist die Rechnung des Werksausschusses aufgegangen, auf Initiative des technischen Werksleiters Jürgen Beck eine Klärschlammvererdung anzulegen.

In den Beeten hat sich seit der Inbetriebnahme am 24. Juli 2003 ein Bestand von australischem Schilf entwickelt. Die Beschickung der Klärschlammvererdungsanlage mit Nassschlamm erfolgte entsprechend dem individuellen Pflanzenbestand. Der flüssige Klärschlamm wird in die Beete geleitet und in Intervallen beschickt. Im Gegensatz zur maschinellen Entwässerung wird bei dieser Vererdung der Schlamm biologisch konditioniert und so zu Klärerde. Zwei Dorster und ein Katlenburger Landwirt haben Interesse daran. Auf einem Hektar Ackerfläche wollen sie fünf Tonnen des Düngers mit einem hohen Phosphatanteil verteilen.


Ein Kettenbagger war in den Klärbeeten im Einsatz. Foto: Bordfeld

Bevor die Arbeiten auf den Beeten begannen, wurde eine Durchfahrt in den Damm geschnitten. Für die Rodung durften nur Kettenbagger eingesetzt werden, die sich auf Bohlen fortbewegen, damit auch das unter dem Klärschlamm liegende Substrat und Drainagekörper darunter nicht beschädigt und die Oberkante der Mindest-Substrathöhe, einem Gemisch aus Klärerde und Schilfwurzeln, nicht unterschritten wird. Die verbliebenen Wurzeln sollen wieder austreiben und 80 Prozent der freigelegten Flächen abdecken, damit diese in zehn Jahren gerodet werden können. Da durch den Transport des Klärschlamms auch die K 31 verdreckt wurde, war ein Räumkommando unterwegs. Zusätzlich dazu wurde in Abstimmung mit dem Landkreis die Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h reduziert. Mit der Räumung der Beete II und III habe sich das Element des Vererdungsvorganges bewahrheitet, so Werksleiter Jürgen Beck. Die Entwässerung des Nassschlammes mit Hilfe der Schwerkraft und auch das Trocknen sei problemlos gewesen. Das Sickerwasser wird von den Beeten über ein Drainage-System dem Klärwerk wieder zugeführt. Ein Kreislauf, der eine jährliche Kosteneinsparung von 60 000 Euro mit sich bringe. „Wir haben neue, aber richtige Wege beschritten“. Während einer Besichtigung der Arbeiten durch den Werksausschusses der Samtgemeinde stand Diplomingenieur Stefan Rehfuß Rede und Antwort. Vorsitzender Peter Kalla erkundigte sich nach der kostenmäßigen Entwicklung der Klärerdeentsorgung. Aufgrund des hohen Trockensubstanzgehaltes der Klärerde und eines Verzichts auf energieintensives Abpressen reduzieren sich die Kosten auf 25 Prozent der herkömmlichen Entsorgung. Die Frage nach der Entwicklung von Klärschlammvererdungsanlagen konnte Rehfuß mit Zahlen belegen. Mit der Anlage in Förste im Jahre 2002 hatte die Firma EKO-Plant 20 Anlagen bundesweit errichtet, heute seien es mehr als 70 Anlagen, der Trend sei weiter steigend.