Zur Geschichte der Königshütte

Die 1733 gegründete Königshütte und die 1707 bei Elbingerode im Mittelharz entstandene Rothehütte bildete bis Mitte des 19. Jahrhunderts die bedeutendsten fiskalischen Eisenhütten des Kurfürstentums und späteren Königreiches Hannover.
Die verarbeiteten Eisenerze stammten aus den Revieren von Lauterberg, Sieber, St. Andreasberg, Lerbach, Ilfeld und Elbingerode, wo zeitweise insgesamt mehr als 150 Eigenlehnergruben in Produktion standen.
Das Werk umfasste ursprünglich 14 Gebäude (darunter zwei Hochöfen, drei Frischfeuer, drei Hammerhütten und eine Drahthütte). Ein 1,6 km langer Hüttengraben führte Betriebswasser von der Oder zum 1. von 3 Gefällen mit 23 oberschlächtigen Wasserrädern (um 1800) zum Antrieb von Gebläsen, Hämmern, Pochwerken und anderen Maschinen. Heute dient der Graben zur Stromerzeugung durch 2 Turbinen auf den beiden noch vorhandenen Gefällen.
Die Absatzmärkte der Produkte der Königshütte lagen im gesamten Kurfürstentum Hannover. Die Silberbergwerke des Oberharzes und die Herzberger Gewehrfabrik waren wichtige Abnehmer.
Durchgreifende Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen erfolgten nach dem Ende der napoleonischen Zeit. Unter der Leitung des Maschinendirektors B. Mühlenpfordt lieferte der Clausthaler Kunstmeister K.H. Mummenthey die Entwürfe für die Neubauten. Es entstanden eindrucksvolle Gebäude im Stil der Neogotik (Hochofen und Gießereihalle, Kohlenschuppen) sowie im klassizistischen Stil (Eisenmagazin mit einem dorischen Portikus, Formhaus).

Hochofenhütte mit Gieshalle und Kohlenschuppen um 1832

Neben der Halbzeugfabrikation bekam nun die Gießerei (u.a. der Eisenkunstguss) einen hohen Stellenwert. Um 1840 lieferte die Hütte mit einer Belegschaft von etwa 160 Arbeitern jährlich rund 12.000 Zentner Eisen.
EisenkunstgussBesondere historische Bedeutung hatte die angeschlossene Drahthütte; sie lieferte das besonders  geschmeidige Ausgangsprodukt für die 1834 in Clausthal entwickelten "Albert-Drahtseile", deren  Einsatz ausgehend vom Harzer Bergbau eine weltweite technische Revolution einleitete
1863 wurde der Hochofen ausgeblasen. Sechs Jahre später, nun unter preussischer Hoheit, erfolgte die Privatisierung und eine Umwandlung zur reinen Eisengießerei mit angeschlossener Maschinenfabrik. Trotz mehrfachen Besitzerwechsels und einiger wirtschaftlicher Krisen blieb die Firma Königshütte GmbH & Co. bis 2001 als mittelständisches Industrieunternehmen bestehen. Mit rund 60 Beschäftigten wurde hier eine breite Palette von Grau- und Kugelgraphitguss-Artikeln gefertigt.
Die Gesamtanlage der Königshütte bildet anerkanntermaßen ein technisches Denkmal von nationalem Rang. Bei aller Modernisierung ist hier eine frühindustrielle Anlage erhalten geblieben, die in ihrer  architektonischen Einheitlichkeit und künstlerischer Ausstrahlung ihresgleichen sucht.

1 Faktoreigebäude
2 Remise (Stallungen)
3 Eisenmagazin
4 Maschinenfabrik
5 Hüttenschenke
6 Stall
7 Arbeiterwohnhaus
8 Formhaus
9 Gießereihalle
10 Hochofenhütte
11 Walzwerk für Draht
12 Walzwerk für Stabeisen
13 Kohlenschuppen
14 Schlackenpochwerk
15 Beamtenwohnhaus
16 Back- und Probierhaus (heute Museum)
17 Frischhütte mit
Stahlwerk
18 Kohlenschuppen
19 Sägewerk

Weitere Informationen: www.koenigshuette.com