Standort Dinsterbachschwinde

Am Waldrand befindet sich die Dinsterbachschwinde, eine der beeindruckendsten Schwinden im Südharzgebiet und die größte Schwinde, die im Bereich des Karstwanderweges liegt. Der schwindende Dinsterbach unterlaugt ständig den Steilhang, was nicht selten zu Felsstürzen führt. Die auf der Wiese zwischen Weg und Waldrand sichtbaren Senkungsmulden markieren einen unterirdischen Weg des Dinsterbaches.

Vor dreißig Jahren waren diese Mulden nur sehr schwach angedeutet. Unterirdische Gesteinsauflösung hat im Verlaufe der letzten Jahrzehnte diese Formen hervorgebracht. Das ist ein Zeichen dafür, dass solche Karstformen auch bruchlos entstehen können.

Im Jahre 1954 führte VIETE eine Wasserfärbung durch. Das markierte Wasser konnte bereits wenige Stunden später in Quellen im unteren Nassetal wiedergefunden werden. Bei seinem Lauf durch das Gebirge berührt das Wasser auch den zusammengebrochenen Questenberger Erbstollen. Es war deshalb nicht verwunderlich, dass sich markiertes Wasser auch am Mundloch dieses Stollens zeigte.


Geologischer Prinzipschnitt nach Völker


Der etwa 10 km entfernte Sangerhäuser Kupferschieferbergbau hatte in den achtziger Jahren große Probleme. In die Grube erfolgte ein sehr starker Karstwasserzulauf, der letztendlich nicht mehr beherrschbar wurde. Bis 1988 pumpte man das Wasser ab, danach stellte man diese Aktion ein und gab das Westfeld auf. In dieser Zeit veränderte man in einem weiten Umkreis alle Fließverhältnisse des Karstwassers.

Zur Zeit dieser Vorgänge führten Höhlenforscher neue Färbeversuche an der Dinsterbachschwinde durch. Dabei konnten keine Zusammenhänge mit dem Questenberger Erbstollen und den Quellen im unteren Nassetal mehr nachgewiesen werden. Das ist ein Zeichen für die schnellen Veränderungen im Gipskarst. Nachdem durch Aufgabe des Bergbaus der Karstwasserspiegel annähernd wieder altes Niveau erreicht hatte, wurde die Färbung ein weiteres Mal wiederholt. Auch bei diesem Färbeversuch konnten keine Zusammenhänge mit den früheren Wiederaustrittsstellen festgestellt werden. Die Dinsterbachschwinde ist sehr gefahrlich. Das ungesättigte Wasser löst den Gips auf und nagt ständig an der Felswand. Wandabbrüche sind keine Seltenheit. Die in der Felswand vorhandene Höhle ist lebensgefährlich. Nachdem mehrfach Höhlenforscher aus diesem niedrigen Wassergang gerettet werden mussten, weil hinter ihnen die Decke zusammengebrochen war, wurden weitere Forschungen nicht mehr durchgeführt. Wenn man einige Wochen nach einer Besichtigung der Schwinde wieder an den gleichen Ort zurückkommt, kann es durchaus möglich sein, ein völlig verändertes Bild vorzufinden.


Typische Wandschwinde (Prinzip der Dinsterbachschwinde)
 
1 -Abrissspaltenbildung
2 -Aufblätterung durch Vergipsung
3 -Verbruchshalde
4 -korrodierter Verbruch
5 -eingespülte Sedimente
6 -Ponorhöhle

GPS-Koordinaten
N 51.4979° E 11.1339°

Index