Aschenhütte

Der Sieberprallhang – eine kritische Stelle

Auf der gegenüberliegenden Seite sieht man die Sieber fließen. Der Fluss, der bisher im harzrandparallelen Auslaugungstal von Herzberg kommend verläuft, mündet hier bei Aschenhütte in einen im älteren Eiszeitalter vorgeformten Talverlauf (ein früherer Unterlauf der Lonau ?) und biegt hier scharf nach Südwesten ein, um bei Hattorf in die Oder zu münden. Flusskiese der vorletzten Kaltzeit (Mittelterrasse) stehen hier an der Straßenböschung an. Am gegenüberliegenden Nüllberg sind Flusskiese der ersten Kaltzeit (Oberterrasse) aufgeschlossen.

Die Sieber verliert einen Teil ihres Wassers bereits beim Erreichen des Südharzrandes. Auch ihre Nebenflüsse Eichelbach und die Große und Kleine Steinau versickern häufig im Karst, ohne die Sieber zu erreichen.

Im Bereich der Aschenhütte befindet sich das größte Versickerungsgebiet des Siebersystems. Unter ca. 15 m mächtigen Niederterrassenkiesen liegen der verkarstungsfähige Werraanhydrit und stromabwärts bis Hörden der eben so durchlässige Hauptdolomit. In trockenen Perioden verliert die Sieber hier ihr Wasser endgültig.

Verschiedene Wassermarkierungen haben nachgewiesen, dass das versunkene Sieberwasser in der 8,7 km entfernten Rhumequelle wieder zutage tritt.

Im Jahresdurchschnitt versickern etwa 19 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Sieberlauf in den verkarsteten Untergrund.

Ehemalige Gipsbrüche zeigen die intensive Nutzung des weißen Gesteins. Reste alter Steinbruchanlagen sind sichtbar. Der hier anstehende Gips des Werra-Anhydrits ist von besonderer Reinheit und kann fast als Alabastergips bezeichnet werden.

„Der Gipsbruch des Hausberges lieferte den „Alabaster“, einen Gips von blendend weißer Farbe. Mit dem Berg wird der zutage streichende Zechstein unterbrochen und tritt erst bei Scharzfeld wieder an die Oberfläche. Schon um 1750 wurde hier der Gips nachweislich abgebaut. Allerdings wurde der Gips zunächst nur gebrochen. Später wurden an der Aschenhütte und unterhalb des Hausberges auch Gipsmühlen gebaut. Die Reste von zwei alten Brennöfen weisen darauf hin, daß der Gips auch an Ort und Stelle gebrannt werden konnte. Der Brennofen, dessen Ruine oberhalb der Kreisstraße am Südhang des Berges zu sehen ist, wurde erst nach dem 1. Weltkrieg gebaut, aber nur kurze Zeit benutzt.
Der Gipsabbau wurde nicht kontinuierlich, sondern in Intervallen betrieben. Zeitweise war Gips ein begehrter Baustoff, unter anderem auch als Fußbodenbelag und zum Wandverstrich. Dann wieder konnte die Kapazität der Mühlen nicht ausgelastet werden, sodaß für die Mühle am Hausberg der Antrag gestellt wurde, sie als Ölmühle zu nutzen. Angetrieben wurden die Mühlen vom Wasser der Kleinen Steinau, die zu diesem Zweck umgeleitet werden konnte.
Besitzer des Gipsbruches, der Mühle und Brennöfen sowie der Aschenhütte war die Familie Pape, die in der Hördener Kirche auch einen Kirchenstuhl besaß. Die Familie Hendorf wohnte, ehe das heutige Wohnhaus gebaut wurde, über der Mühle. Um 1935 wurde diese Mühle abgerissen, der obere Teil des großen Mühlrades jedoch abgeschnitten. Die Mühle an der Aschenhütte wurde 1950 demontiert. Eine letzte Blütezeit erlebte der Gipsabbau am Hausberg zwischen 1948 und 1954, nachdem Gustav Hendorf von der letzten Nachkommen der Familie Pape im Jahre 1946 den Betrieb übernommen hatte.
In den Aschenhütten wurde die Asche gesammelt, die man im Hüttenwesen und in der Glasherstellung so notwendig brauchte. Das ging so weit, daß die „Aschenweiber“ sogar die Hausasche sammelten und auf die Hütte brachten. Sonst wurde in der Aschenhütte die Asche durch das Verbrennen minderwertigen Holzes gewonnen.“

Klaus Gehmlich

 

Alter Gipsofen

Gleich oberhalb der Straße befindet sich ein alter Gipsofen. Beschickt wurde der Ofen von oben her, dieser Ofenteil ist heute allerdings eingestürzt.
Es handelt sich wohl nicht um einen Schachtofen im strengen Sinne. Er erinnert auch an ältere Kalköfen, wie sie im Raum Walkenried vor Jahren zu sehen waren: mit einem Rost zwischen Feuerraum und Brennraum.

Erhalten geblieben sind zwei Öffnungen mit den Feuerrosten,
über die der gebrannte Gips abgezogen wurde.


 

Die Kalkburg

Auf dem 244 m hohen Hausberg liegt der Rest eines Ringwalls mit etwa 80 m Durchmesser; er gehört zu einer alte Burganlage, die Kalkburg. Sie wurde von Herzog Wilhelm II. zu Braunschweig-Lüneburg errichtet und im Jahre 1337 als Nyge Hos (Neues Haus) erstmalig urkundlich erwähnt. Es ist fraglich, ob diese Burg je fertiggestellt wurde. Da sie nach 1359 nicht mehr erwähnt wurde, wurde sie wohl bald wieder zugunsten des Herzberger Schlosses aufgegeben. Möglicherweise waren der Burg von ihren Erbauern Sicherungsaufgaben im Hinblick auf die Verkehrswege zwischen Herzberg und Osterode zugedacht, die von der Hochfläche über Hohlwege hinab und über Furten durch die versumpfte Senke der Sieber mit ihren Nebenbacheinmündungen führte. Von der Kalkburg zeugen nur noch einige Verwallungen. Ihre nordöstlichen Wallanlagen sind inzwischen abgetragen.

Das Engelglöcklein

Geht man von Osterode nach Harzburg, so liegt hinter der Aschenhütte ein Berg, dessen Fuß die Sieber bespült und der der Hausberg genannt wird. Auf diesem Berge soll vor langen Jahren ein Nonnenkloster gestanden haben, das recht fest gebaut war, so daß es nicht leicht gewesen ist, dasselbe zu überrumpeln. Einst kommt aber eine wilde Kriegerschaar da durch und will in diesem Kloster Quartier nehmen. Die rohen Soldaten wollten nicht blos das Kloster plündern, sondern auch die Nonnen mißhandeln. Als sie jedoch vor das Thor kommen, ist dasselbe zu, und keine Gewalt im Stande, das Kloster einzunehmen und hineinzukommen. Die Krieger legten sich auf die Lauer, umzingelten das Kloster und wollten die Nonnen durch Hunger und Durst zwingen, die Thore zu öffnen. In der großen Noth eilen nun die Nonnen mit sammt der Aebtissin in die Kapelle, werfen sich vor dem Altare auf die Kniee nieder und bitten Gott, er möge sie vor Schimpf und Schande bewahren, er möge ihnen Mittel und Wege zeigen, wie sie dem Unglück entrinnen könnten. Als sie so in Thränen gebadet beten, kommt eine Taube zum Fenster herein, fliegt auf den Altar, setzt ein kleines Körbchen darauf und fliegt wieder fort. Das sehen alle Nonnen, die Aebtissin tritt vor den Altar, öffnet das Körbchen und siehe, es liegen zwei Glöcklein darin, ein goldnes und ein silbernes. Nun nimmt die Aebtissin das goldene Glöcklein und läutet, es hat einen wunderbar schönen Ton gehabt, und augenblicklich tritt ein Engel zu ihr und frägt, was sie von ihm wünsche. Voll Schreck und Freude sagt die Aebtissin, »sie wünsche Schutz gegen ihre Peiniger, die vor dem Kloster lägen.« Der Engel hat ein goldenes Scepter in der Hand, damit berührt er den Boden, der thut sich auf, er geht hinein und sagt, »sie sollten ihm alle folgen.« Das thun sie auch. Der Engel führt sie in eine weite Grotte, die ist mit Hunderten von brennenden Wachskerzen erleuchtet. Auf der einen Seite steht ein Altar, vor dem werfen sich die Nonnen nieder, und danken voll Inbrunst Gott für ihre augenblickliche Rettung. Da ist der Engel verschwunden; dann stehen sie auf und sehen sich in ihrer neuen Behausung um. Da stehen auf der andern Seite der Grotte mehrere gedeckte Tische, das Essen fehlt aber darauf. Auch stehen viele Betten da herum und es fehlt nichts weiter, was sie bedürfen, als Essen und Trinken. Da nimmt die Aebtissin so zufällig das Körbchen mit den Glöckchen vor sich und läutet mit dem silbernen Glöckchen. In dem Augenblicke sind wieder zwei Engelein da und fragen, was die Aebtissin wünsche; die wünscht Essen und Trinken für sich und ihre Nonnen zu haben; da trägt der eine Engel die schönsten Speisen, und der andere die feinsten Getränke auf den Tisch, dann sind die Engel wieder verschwunden. So geht's sieben Tage und die Soldaten vor dem Kloster warten vergebens, daß die Thore geöffnet werden. Aus Aerger und Verdruß werfen sie Feuerbrände in die Klostergebäude, die Engel löschen sie aber wieder aus; sie laufen Sturm, müssen aber immer unverrichteter Sache wieder zurück. Kurz sie sind gezwungen, trocken abzuziehen, denn sie haben eingestehen müssen, daß Gott selbst die Nonnen beschützt. Als nun die rohen Horden wieder abgezogen sind, kommen die Nonnen wieder aus ihrem Versteck hervor und danken alle Gott in der Kapelle. Später sind jedoch die Nonnen da weggegangen, und das Kloster ist zerfallen, der Hausberg steht aber noch. (S. Ey, Harzmärchenbuch)

GPS-Koordinaten
N 51.6728° E 10.2997°

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