Das Lüderholz

Schatzkästlein der Natur

Das Lüderholz ist ein prächtiger artenreicher Laubwald, in dem Buche, Eiche und Hainbuche mit nur mehr geringem Nadelholzanteil dominieren. Es vermittelt lehrbuchhaft Erscheinungen der Geologie und des Karstes am Südharz.
Das Lüderholz bildet eine Zone äußerst aktiver Erdfallbildung im Verzahnungsbereich der Kiesablagerungen der Gr. Steinau mit denjenigen der Sieber aus der letzten Kaltzeit. Sie werden aus dem im Dauerfrostboden aus dem Gebirge abtransportierten und zugerundeten Gesteinsschutt gebildet. Das sind hier insbesondere Kulmgrauwacken und -schiefer der Siebermulde sowie Quarzite des Acker-Bruchberg-Zuges.
Beachtenswert ist das häufige Auftreten von Schlacken der Eisenverhüttung in den unteren Kieslagen am westlichen Ufer der Gr. Steinau. Sie bezeugen massive Umlagerungen und Neuaufschüttungen von Kiesen bis ins Mittelalter.

Frisch eingebrochener Erdfall auf einer Wiese südwestlich des Standortes. Diese Aufnahme entstand im Frühjahr 1998.
Bei diesem Erdfall ist der auf den Kiesen der Niederterasse lagernde Hochflutlehm gut zu erkennen. Auffällig auch der hohe Grundwasserstand. Diese Karsterscheinung wurde innerhalb kurzer Zeit von Amphibien angenommen. Auf dem Wasser schwamm Heu. Der Erdfall ist heute wieder verfüllt.

Unter den Kiesen liegen Reste des offensichtlich schon stark zerschlotteten und vergipsten Werra-Anhydrits des Zechstein mit einer Restbedeckung aus Schutt des Hauptdolomits. Diese leicht lösliche Gipsschicht befindet sich gegenwärtig in vehementer Rückverlegung. Die stark wasserdurchlässigen Kiese und der gewässerbegleitende Grundwasserstrom der Steinau fördern die Erdfalltätigkeit, die nach Augenzeugenberichten und dem Studium der Formen noch frischer Erdfallwände gegenwärtig noch anhält.
Die Versickerungsstelle der Gr. Steinau liegt - auch in längeren Trockenwetterphasen - in der Zone der aktivsten Erdfallbildung des Lüderholzes. Sie versiegt in ihren eigenen Kiesen in flachen Schwalglöchern. Dieses Wasser geht z.T. in das tiefere Karstgrundwasser über, das an der Rhumequelle nach etwa 4tägigem Verlauf wieder austritt; einen anderen Teil schütten Quellen auf der südöstlich Aschenhütte am linken Ufer der Kleinen Steinau gelegenen Nonnenwiese, auf der für die Stadt Herzberg Trinkwasser gewonnen wird.
Bohrproben aus Erdfallsedimenten im Lüderholz geben einen guten Einblick in die Wald- und Vegetationsgeschichte sowie die Siedlungs- und Agrargeschichte der näheren Umgebung. Erste Getreidepollen datieren bereits aus der Jungsteinzeit. Noch im 13. Jh. wurde es als Eichenhudewald genutzt.

Zwei weitere Schatzkästlein

Ein Vergleich lohnt mit zwei Gebieten im ehem. Landkreis Osterode, die einen geologisch und geomorphologisch, ja auch waldbaulich fast identischen Aufbau zeigen: „Die Birken“ (Pöhlder Wald) zwischen Pöhlde und Scharzfeld, eine Niederterrasse der Oder über Hauptanhydrit, sowie der Mackenröder Wald zwischen Nüxei und Mackenrode, eine gemeinsame Niederterrasse der Steina und Ichte, ebenfalls über Hauptanhydrit. Auch diese beiden karstmorphologisch eindrucksvollen Gebiete werden durch den Karstwanderweg erschlossen und laden zu Besuch und Exkursion ein.

[ Neuer Erdfall 2012 ]

[ Schatzkästlein der Natur - Das Lüderholz an der Großen Steinau ]

Erdfälle in Terrassenkiesen
nach RICKEN 1980

 
a - Älterer Niederterrassenschotter
b - Jüngerer Niederterrassenschotter
c - heutige Talaue
d - Grundwasseroberfläche
e - Oberfläche des Gipses bzw. Anhydrits
f - Fläche der Sättigung des Grundwassers mit Gips
g - Gips bzw. Anhydrit
h - Klüfte
 
1 - Aktive Laughöhle
2 - Beginnender Verbruch
3 - Junges Erdfallstadium
4 - Flaschenförmiger Durchbruch zur Oberfläche
5 - Erdfall im Schlotstadium
6 - Alter Erdfall im Trichterstadium
7 - Erdfall mit organischen Sedimenten gefüllt
8 - Großflächige Senke

GPS-Koordinaten
N 51.6748° E 10.3149°

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