Klinik Herzberg

Vulkan → Schlucht → Meer → Tal → Hochterrasse

Beim Bau des Krankenhauses Herzberg in den 1980er Jahren wurde mit der Baugrube ein sehr schwieriger Baugrund aufgeschlossen, der allerdings einen ganz vortrefflichen Einblick in die erdgeschichtlichen Vorgänge vermittelt.

Nach der Auffaltung und Heraushebung des Harzes aus dem Meere setzte Vulkanismus ein. Spalten im neu gebildeten Grauwackengebirge füllten sich mit glutflüssigen Magma; dieses erkaltete später zu einem heute blassviolett bis rosa gefärbten harten Gestein, dem Porphyr. Ein solcher Porphyr-Gang ist hier aufgeschlossen.

In die aus Grauwacken aufgebaute Berglandschaft der ausgehenden Karbon-Zeit wurde, noch während der Rotliegend-Zeit (vor etwa 280 Mio. J.), eine 25 m tiefe und bis zu 80 m breite Schlucht eingetieft. Die Wände dieser alten Schlucht sind sehr steil, örtlich sogar senkrecht.

Später überdeckte das vorrückende Zechstein-Meer die Schlucht und füllte sie vollständig mit Sedimenten aus. Die Basis dieser Sedimente bildet der bis zu 60 cm mächtige Kupferschiefer. Die Lebewesen des Zechstein-Meeres füllten die restliche Mulde mit Kalkschlamm auf, der heute den Zechstein-Kalk bildet. Am geneigten Meeresboden kam der noch weiche Kalkschlamm ins Rutschen und wurde vor Hindernissen, wie hier dem als Härtling aus den älteren Grauwacken herausragendem Porphyr-Gang, gestaucht und in Falten geworfen.

Im Altquartär (Oberterrassenzeit, ab ca. 400.000 J.) schnitt die Lonau wiederum ein Tal in den Kalkstein und füllte dieses mit Sanden und Kiesen. Das Grundwasser schuf im Kalk kleine Höhlen, die teilweise mit Sedimenten verfüllt wurden. Hierbei entstanden Vertiefungen im Kalk, in denen sich weiche Manganerze bildeten. Um das Gebäude auf diesem komplizierten, d.h. unterschiedlich tragfähigen Baugrund sicher zu gründen, mussten 230 bis zu 30 Meter lange Betonpfähle in den Untergrund gesetzt werden (s. Skizze unten).


Querprofil durch den Bauplatz
(nach PAUL 1987)

Hier an der Klinik Herzberg befindet sich auch ein Wandertreffpunkt des Nationalparks Harz; hier ist auch Start- und Zielpunkt des Nationalpark-Seelenpfades.

GPS-Koordinaten
N 51.6687° E 10.3444°

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