Einhornhöhle

Die Einhornhöhle wurde im Jahre 1541 erstmals erwähnt. Berühmt wurde sie durch die Knochen- und Zahnfunde verschiedener ausgestorbener Tierarten, die man dem sagenumwobenen Einhorn zuschrieb. BRÜCKMANN und LEIBNIZ beschäftigten sich mit diesen Knochenfunden. Dank ihrer Beschreibungen zählen die Höhlenbärenreste aus der Einhornhöhle zu den frühesten auf deutschem Boden bekannt gewordenen Fossilien.
 

Andere Gelehrte führten diese Forschungen fort. Zu ihnen zählen STRUCKMANN (1882), v. ALTEN (1888), FAVREAU und WINDHAUSEN (1903 bis 1907) und JAKOB - FRIESEN (1926).

In jüngster Zeit gefundene Steinartefakte beweisen, dass die Höhle bereits seit der Steinzeit vom Neandertaler aufgesucht wurde (siehe auch www.einhornhoehle.de). Funde aus der Bronzezeit, der Eisenzeit und dem Mittelalter waren schon seit langem bekannt.

Die Höhle entstand zu Beginn des Eiszeitalters durch Auflösung des Dolomites im Grundwasser an der Schichtgrenze zur unterlagernden Grauwacke. Ein aus nördlicher Richtung eindringendes Flüsschen erweiterte die Räume ständig. Das Wasser transportierte allerdings sehr viel Verwitterungsmaterial in die Höhlenräume und setzte diese allmählich zu.

Die einsetzende Eintiefung des Odertales während der ersten großen nordeuropäischen Kaltzeit legte die Fläche trocken, das Flüsschen versiegte und die weitere Höhlenbildung kam zum Erliegen. Die heute zugängliche Einhornhöhle ist nur ein Bruchteil des ehemals vorhandenen Hohlraumes.


Zeichnung nach VLADI 1979/84

 
1 - Blockschutt, Lehm, Knochen
2 - Hellbrauner Lehm, Dolomitbrocken, Knochen, Zähne
3 - Dunkelbrauner Lehm mit Knochen und Zähnen
4 - Rotbrauner, fossilfreier Ton
5 - Kiessande, Gerölle
6 - Kalkfreie Flusssande
7 - Sinterplatte
8 - Zechsteindolomit
9 - Harzpaläozoikum (Tanner Grauwacke)


 [ Detailinformationen zur Einhornhöhle ]

[ Auf der Suche nach dem Neandertaler ]

[ Infoblatt zum Tag des Geotops 2004 ]

[ Eiszeitliche Höhlenmalereien in der Einhornhöhle entdeckt ]



Literatur über die Einhornhöhle :

NIELBOCK, Ralf (2010): Die Einhornhöhle. Die Welt der Einhörner, Höhlenbären und Neandertaler.- 48 S., 87 Abb.; München (Fr. Pfeil) 2010. ISBN 978-3-89937-123-9

NIELBOCK, Ralf (1990): Die Einhornhöhle - ein quartärwissenschaftliches Kleinod im Südharz.- Mitt. Verb. Dt. Höhlen- u. Karstforscher, 36(2), S. 24-27, 3 Abb.

MEISCHNER, Dieter (2001): Bericht über Grabungen in der Einhornhöhle bei Scharzfeld im Harz.- Mitt. Verb. Dt. Höhlen- und Karstforsch., 47 (12): 4-7, München

WACHTTURM, (1992): Fragen von Lesern: Stützt die Bibel die Auffassung, es gäbe Einhörner, da sie in einigen Bibelübersetzungen erwähnt werden? - Der Wachtturm, 1.6.1992, S.31

NIELBOCK, Ralf (1987): Holozäne und jungpleistozäne Wirbelfaunen der Einhornhöhle/Harz - Paläontologisch-biostratigraphische Untersuchungsergebnisse der Höhlengrabungen 1985/87.- Dissertation TU Clausthal, 194 S.

NIELBOCK, Ralf (1994): Quartärfaunen am südwestlichen Harzrand - Ein Überblick: Fundstellen, Grabungen, Forschungsstand.- Die Kunde, N.F. 45, S. 191-220, 16 Abb.

MÖLLER, Ulrich (1986): Kartierung der Höhlensedimente in der Einhornhöhle/Scharzfeld.- unveröff. Diplomarb. Geol. Pal. Inst. TU Clausthal, 40 S., 7 Abb., 6 Anl., 4 Taf., 2 Tab.

KEMPE, Stephan und ROSENDAHL, Wilfried (1999): Speläotheme als pleistozäne Klimaarchive in Mitteleuropa.- Mitt. Verb. dt. Höhlen- und Karstforscher, 45(2), 100-101, 1 Abb.

PAUL, Josef und VLADI, Firouz (2003): Zur Geologie der Einhornhöhle bei Scharzfeld am südwestlichen Harzrand.- Ber. Naturhist. Ges. Hannover, H. 143, S. 109-131, 8 Abb., 3 Tab., 1 Kt.;

SCHEER, Anne (1986): Mittelpaläolithische Funde in der Einhornhöhle bei Scharzfeld (Stadt Herzberg am Harz, Ldkr. Osterode am Harz). Vorbericht über die Grabung 1986.- Nachr. Nieders. Urgeschichte 55, S. 1-38, 13 Abb.

VLADI, Firouz (1981): Anselm Windhausen - zum 100. Geburtstag eines Harz-Höhlenforschers (Geologische Untersuchungen in der Einhornhöhle in Scharzfeld am Südharz in den Jahren 1905 - 1907).- Heimatbl. südwestl. Harzrand 37:22-32, Osterode

VLADI, Firouz (1987): Ein neuer Plan der Einhornhöhle bei Scharzfeld/Südharz.- Mitt. Arbeitsgem. Karstkunde Niedersachs. 1/87, S. 10-14, 1 Kt.

GRÄSSE, Johann Georg Theodor (1866-71): Von den Geistern in der Scharzfelsischen Höhle oder den Zwerglöchern. In: Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2.- Glogau

GRÄSSE, Johann Georg Theodor (1866-71): Die Zwerglöcher bei Scharzfeld. In: Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2.- Glogau

GPS-Koordinaten
N 51.6328° E 10.4032°

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