Die Pfaffenholzschwinde

Die Schwinde

Das Pfaffenholz ist intensiv verkarstet. In einem exemplarisch ausgebildeten Schwinderdfall versinkt ein von Nordwesten kommender kleiner Bach. Beim Kontakt mit dem Gips (Werra-Anhydrit) hat der Bach eine, mit einer Felsnadel bizarr gestaltete aktive Gipssteilwand mit einer heute nicht mehr zugänglichen kleinen Schwindhöhle gebildet. Bei stärkerer Schüttung staut sich der Bach zurück und bildet einen kleinen See. Es handelt sich hierbei um eine der interessantesten und eindrucksvollsten Schwinddolinen im europäischen Gipskarst.

Hugo Haase beschrieb 1936 hier noch eine 6 m breite, flache Schwindhöhle. Nach Fr. Reinboth, der die Höhle erstmals am 1956 befuhr und Laugdecken- sowie Facettenbildungen beschrieb, brach später die südliche Hälfte des Höhlengewölbes ein, wobei die Hälfte der Felsnadel in den Höhlenraum stürzte. 1976 war die Höhle unterm Versturz nicht mehr auffindbar. Oberhalb der Felsnadel zeigen sich die Ursachen: hier brechen mehrere sehr tiefe trichterförmige Erdfälle unregelmäßig nach. Ihr herabbrechender überwiegend gipshaltiger Schutt füllt die tiefer liegenden frischen Laugräume stets wieder auf, um in dem Maße nachzusacken, in dem der Gips im Strom des weichen und in der davorliegenden Schwinde versinkenden Wassers wieder aufgelöst wird.

Weitere Bachschwindstellen gibt es vor der Südwand des der Höhle östlich vorgelagerten großen Erdfalls. Die Schwinde, im Volksmund auch Höllloch genannt, ist als Naturdenkmal geschützt. Um das herausragende Naturdenkmal besser gegen mögliche Auswirkungen des benachbarten Gipsabbaus zu sichern, konnte in Abstimmung mit dem Abbaubetrieb ein breiterer Abstand zu Schwinderdfall und Steilwand gesichert werden.
 

Das Pfaffenholz

Zur Geschichte des Pfaffenholzes lesen wir in der 2009 herausgegebenen Chronik von Tettenborn (S. 84):
„Das Pfaffenholz war immer im Privatbesitz des Rittergutbesitzers*. Bei der Auflösung des Gutes ist es im Familienbesitz geblieben und heute gehört es der Familie Matthiesen, welche die letzten Gutsbesitzer waren. Es hat eine Größe von 21 Morgen und besteht hauptsächlich aus Buche, Weichen, Esche sowie anderen Laubhölzern wie Birke, Ahorn, Hainbuche und Kirsche. Im Pfaffenholz befindet sich das sogenannte „Höllloch“ mit der „Teufelskanzel“. Diese beiden Begriffe sagen schon aus, dass es sich hier um sagenumwobenes Gebiet handelt. Der Sage nach soll der Teufel der Postkutsche den falschen Weggezeigt haben, welche dann die tiefen Klippen hinabgestürzt ist.“
 

* Das 1237 erstmalig erwähnte Rittergut war dauernder Stammsitz derer
von Tettenborn, erst 1851 gelangte es durch Verkauf in andere Hände.

Die geologische Karte zeigt mit den nordwest-südost ziehenden schwarzen Linien deutlich den Verlauf von Verwerfungen (Gebirgsstörungen) an. Hier ziehen die Schwindwässer der Südharzflüsse, so auch die Wässer der Pfaffenholzschwinde, auf geweiteten Klüften über das Klettenberger Mühlbachtal bis zum Salzaspring nach Südosten.

Nach Hugo Haase (1936) treten sie dort nach ca. neunmonatigem unterirdischen Lauf wieder zutage. Nach heutigem Kenntnisstand liefert der Salzaspring nicht die Gesamtheit der im Karst versunkenen Wässer; vielmehr bleibt ein Teil in einem tieferen Grundwasserstockwerk und zieht parallel zur Vorflut im Helme- und Unstruttal nach Südosten.


Naturdenkmal „Pfaffenholz-Schwinde“
Harzkurier 1.3.1985
Natürlicher Zustand soll wiederhergestellt werden

Tettenborn/Kolonie (zn). Ein ungewöhnliches Bild zeigt sich am Naturdenkmal „Pfaffenholz-Schwinde“ bei Tettenborn/Kolonie. Dort wird mit einem großen Bagger Schutt, der früher einmal hier abgekippt worden war, herausgeholt. Die Arbeiten dieser Rekultivierungsmaßnahmen erfolgten im Rahmen einer Ersatzmaßnahme für den Gipsabbau. Durch diese Maßnahmen, die mehrere 10 000 Mark kostet, soll der natürliche Zustand des Naturdenkmals wiederhergestellt werden. Die „Pfaffenholz-Schwinde“ ist ein sehr großer Erdfall mit einer Bachschwinde, die bei Salzahspring/Nordhausen wieder herauskommt. Über den unterirdischen Verlauf ist nichts bekannt. Abgesehen von diesem geologischen Phänomen stellt die „Pfaffenholz-Schwinde“ aber auch ein schützenswertes Biotop dar. Wenn der bisher verborgene Teil der Steilwand vom Schutt befreit ist, soll die Oberkante nach Ende dieser Maßnahme wieder mit Bäümen bepflanzt werden.

Foto: D. Zillmann

GPS-Koordinaten
N 51.5742° E 10.5572°

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